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50,1
[ Leipzig, Mitte Dez. 1782 ]

Mein Buch mit Ihrem Namen geziert zu sehen, hab’ ich mer ge-
wünscht als gehoft. Um desto grösser ist mein Vergnügen über Ihre
Gütigkeit, um desto grösser mein Dank dafür. Es beruht oft eben soviel 50,5
auf den [!], der den Körper eines Buchs schaft, als auf den, der die
Sele desselben schaft. Auch hier heists: Kleider machen Leute. Ist mein
Buch Ihres Verlags würdig, so ist es auch gewis des Druks würdig,
und ich kan hoffen, daß es Kennern [nicht] misfallen werde, wenn es
Ihnen nicht misfält. — Aus diesem Anfang meines Briefs werden Sie 50,10
leicht die Antwort auf den Anfang des Ihrigen erraten — die Bitte
ausgenommen, daß Sie die ungerade Zal 15 in die nächste gerade ver
wandeln. Schandy war ein Freund der ungeraden Zalen, ich bin einer
der geraden. — Es ist gewis, daß der Parnas keine peruanische Gold-
grube ist; wenigstens ist es gewis, daß dieienigen, die darinnen graben, 50,15
gleich andern Bergleuten, die Schäze ser bedürfen, die sie suchen. Sie
werden daher nicht Mangel an Höflichkeit, sondern nur Mangel an
Geld in der Bitte finden, daß Sie mir noch vor den Feiertagen das
Honorarium [schikken] möchten — wenn ich wortspielen wolte, würd’
ich sagen: die Eltern bescheren zu dieser Zeit den Kindern, und mein 50,20
Kind mir. Aber man darf eben sowenig mit den Worten als mit den
Puppen spielen, wenn man kein Kind mer ist. — Es ist mir angenem,
daß ich durch die Nahheit des Drukorts in Stand gesezt werde, die
Korrektur selbst zu übernemen. — Schönes weisses Papier empfielt ein
Buch eben so ser als eine weisse Haut ein Frauenzimmer; und man isset 50,25
lieber von Silber als von Thon. Doch dafür zu sorgen, wird Sie mer
Ihr.. als meine Bitte bewegen. Wenn der Druk dem Drukke des
Buchs über die Ehe änlich wäre, so würde mich das freuen: denn
wen solt’ es nicht freuen, wenigstens eine Änlichkeit mit dieser vor
treflichen Schrift zu haben. — Hier folgt der … halbe Bogen. Die 50,30
Ursache, warum ich ihn zurükbehalten, werden Sie sehen, wenn Sie ihn
lesen. Ich wolte nämlich nicht durch das Geständnis meiner Jugend in
demselben, zu einer Meinung veranlassen, die vielleicht richtig ist, die
aber immer die Feler eines Buchs zu Brobdignakschen Ungeheuern auf-
schwelt und die Schönheiten desselben in Chodowieckischer [?] Miniatur 50,35
darstelt. Wenn meine 19 Jare verursachen, daß [ich] iezt schlecht schreibe,
so werden sie es auch gewis [?] verursachen, daß ich künftig nicht so
schreibe; und wenn ich nicht gute Bücher mache, so werd’ ich doch 51,1
bessere machen lernen. Diese Hofnung schmeichelt mir mit der Mög
lichkeit, Ihnen für Ihre Gütigkeit dankbar sein zu können. — Vergeben
Sie mir, daß ich so viel rede, und nur von mir rede: ich bin sonst kein
Engländer, der sein Ich mit einem grossen Buchstaben schreibt. Sie 51,5
gebrauchen die Adresse des vorigen Briefs: denn sie ist die meinige, und
ich habe mich nur hinter meinem eignen Namen verstekt. — Den Titel
des Buchs hab’ ich geändert; er heist iezt so: Grönländische Pro
zesse.
Die Ursache dieser Abänderung werden Sie ebenfals aus dem
halben Bogen ersehen. Ich schliesse mit der Bitte um eine baldige 51,10
Antwort und mit der Versicherung, daß ich bin etc. — Ich scheine
Ihnen vielleicht für diesen Brief zu lustig zu sein, und wenn man die
Affen für die Satirs der Alten hält, so werden Sie umgekert denken. —

K (Konzept): XV. An Vos in Berlin den 21 [!] Dezember 1782. B: IV. Abt., I, Nr. 10. A: IV. Abt., I, Nr. 11. 50 , 8 Druks] aus Publikums 9 misfallen werde] aus gefält 10 nicht misfält] aus gefält 11 die Bitte] aus den Zusaz 17 nicht Mangel an Höflichkeit] aus keine Unhöflichkeit 23 Druksort 51 , 4 mir1] danach gestr. meine Schwaz haftigkeit
Das Datum der (nachgetragenen) Überschrift kann nicht stimmen, da A vom 17. Dez. 1782 datiert ist. Chr. Friedr. Voß (1722—95), der be kannte Berliner Verleger, hatte am 10. Dezember geschrieben: „Dem Herrn Verfaßer der Satirischen Skizen offerire ich für das Mspt. Funfzehn Louisd’ or. Es wird, wenn es auch weitläuftig, wie die Charaktere deutscher Dichter gedruckt würde, ohngefehr nur 15. bis 16. Bogen aus machen. Ich würde es sodann nicht weit von Leipzig drucken laßen, und die Einrichtung trefen, daß es der Herr Verfaßer selbst corrigiren könnte...“ 50,1 3 Exzerpte aus Sternes „Tristram Shandy“, übers. von Bode, 2. Aufl., Hanau u. Höchst 1776f., in einem unnumerierten Band von 1782. Eine derartige Bemerkung kommt aber in dem Roman nicht vor; vielleicht liegt eine Verwechslung mit Swift vor, der sich in der Einleitung zur „Tale of a Tub“ für die Zahl Drei begeistert, die auch in dem fälschlich Sterne zu- geschriebenen „Koran“ (von R. Griffith, 1770) in der Vorrede zum 3. Teil erhoben wird. 28 Hippels Buch „Über die Ehe“ (vgl. 2,11†) war im Vossischen Verlag erschienen. 30 halbe Bogen: der Schluß des 1. Teils mit der Angabe der Jugend des Verfassers (I. Abt., I, 116).

Erwähnungen im Kommentar:

Werke

Textgrundlage:

30. An Buchhändler Chr. Friedr. Voß in Berlin. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 1. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1956.

Seite(n): 50-51 (Brieftext); 432-433 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Christian Friedrich Voß. Leipzig, Dezember 1782. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=I_30 >


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