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[ Schwarzenbach, 7. Okt. 1790. Donnerstag ]
308,18
In unserm Leben haben wir beide, Sie und ich, keinen so närrischen
Brief gelesen als den auf dem andern Blatte von Voltaire an Sie. Ich 308,20
fand ihn heute früh auf meinem Schreibtisch, ich kan aber unmöglich
glauben, daß ihn der verdamte oder seelige Voltaire selbst geschrieben.
Wahr[schein]lich stand ich zu Nachts wie mehrere Nachtwandler auf
und schrieb schlafend den französischen Brief nieder, da dergl. Pa-
zienten sogar schon Verse und Predigten elaboriert haben: darin be308,25
stärkt mich auch das, daß ich schon längst Sie um etc. ersuchen wollen.
Auf der andern Seite aber stoss’ ich mich dan an — Sehen Sie da
drüben steht an — daß das Original, dessen Kopie ich hier beifüge,
nicht von meiner Hand ist, und am Sontag wil ich Ihnen es zeigen. —
Es mag ihn übrigens ich oder Voltaire oder der Teufel selbst ge308,30
schrieben haben: so ist die Bitte darin meine eigne und ich wiederhole
sie wie die Volt[airesche] Versicherung etc.
Mon cher Wagner

Car vous m[e l’]êtes parceque je vous le suis un peu. Je vous
aime et je ne vous flatte pas: car ce n’est que de mon vivant que
308,35

j’oubliai l’un et que j’aimai l’autre; les morts sont flattés, mais 309,1
ils ne flattent jamais eux-mêmes.


Le diable m’a dit que son sécretaire — un certain Hasus demeu-
rant près de Hof — a le diable même au corps et partout et qu’il
me veut rélire après m’avoir lû aussi souvent qu’un billetdoux. — 309,5
Voilà un billet-doux de ma part pour vous prier de prêter à Mr. le
sécretaire quelquefois un volume de mes œuvres, surtout de
ceux qu’on a publié après mon decès. Vous vous obligerés in
finiment le secretaire, son maitre et moimême. Quant à moi je
suis ici à l’enfer aussi bienaise qu’à Ferney et un peu plus, n’y 309,10
conversant qu’avec le grand et le beau monde et avec les diables
qui ont infiniment d’esprit. Ne sachant, si jamais j’aurai le plaisir
de vous parler, je vous souhaite tout ce que m’a enlevé la mort,
excepté les Frerons — et tout ce qu’elle m’a donné, excepté
l’enfer.
309,15


K: Wagner 7 Okt. 90. i: Nachlaß 4,235.
Vgl. Nr. 242. 308,27f. Der Schlußstrich von „an“ ist weit hinausge zogen, als ob der Schreiber einen Stoß bekommen hätte. 309,14 Frérons: vgl. 75 , 34 .

Textgrundlage:

342. An Wagner. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 1. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1956.

Seite(n): 308-309 (Brieftext); 515 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Wagner. Schwarzenbach a. d. Saale, 7. Oktober 1790. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=I_342 >


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