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[ Schwarzenbach, 24. Okt. 1790. Sonntag ]
309,17
Ich weis nicht, leg’ ich Ihnen die Empfehlung bei oder bring’ ich
sie selbst … Ich nahm einen Schiefer und rechnete es heraus, daß ein
Geselschafthausierer, ein unter dem schönen Geschlechte herumirrender 309,20
Ritter am passabelsten daran: nicht blos weil er in iedem Tempel eine
Schuzheilige anzubeten findet oder weil er das ungefundne, vielleicht
ungeschafne Ideal, vor dem seine Seele kniet, handhaben, drehen,
drechseln, puzen kan wie er wil, welches mit etwas Lebendigerem nicht
angienge: sondern darum: alle 3 Jahre kömt er wenigstens 2mal auf 309,25
die sorgenvolle monatliche Folter, auf der der H. Pfarrer liegt und
die die Schmerzen zerrissener Freundschaft übersteigen. Ich würde also
in einer Ehe von 30 Jahren 20 mal torquiert, wenn nicht 25 mal.
Verzeihen Sie, daß ich erst auf diesem Blatte Sie versichere, daß etc.

K: Wirthin d. 24 Okt. 90.
Richter verteidigt hier die „Simultan-Liebe“, wie gleichzeitig gegen Wernlein (II. Abt., III, 250) und später im Hesperus (I. Abt., III, 172f.). 309,26 Pfarrer Völkel hatte am 22. Okt. 1790 seine Frau im Kindbett ver loren.

Textgrundlage:

343. An die Postmeisterin Wirth in Hof. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 1. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1956.

Seite(n): 309 (Brieftext); 515 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Dorothea Friederike Wirth. Schwarzenbach a. d. Saale, 24. Oktober 1790. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=I_343 >


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