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[ Schwarzenbach ] den 14 März 91 [Montag].
328,7
Gerade um 7½ Uhr, wo ich zufrüh ankam, kömt dein so unver
muthet wie der schöne Tag auffliegender Aufsaz abends an. Was mir
einmal Oertel schrieb, „im Intelligenzblat auch für die Höfer 328,10
Intelligenz zu arbeiten“ hast du zwar nicht befolget und weder für
das Gedächtnis noch für den Verstand der Intelligenz-Firma ist dein
Avant-Propos geformt; diese Unverständl[ichkeit] war aber das
einzige Mittel, daß der erste (du) und 2te Leser dabei gewannen.
Gleichwol sind — welches sonderbar ist — deine mündlichen Wen328,15
dungen in Geselschaften noch hieroglyphischer als deine schriftlichen
und ich wolte in einem Wetkomtoir 10 Honorarien gegen eines wetten,
daß unter 10 Wendungen deiner Tisch-, Kanapee-, Sessel- etc. und
andrer Reden von deinen meisten Zuhörer[n] wenigstens 10 nicht
verstanden werden, wenn du mich und dich und den Holofernes aus- 328,20
nimst.

So wenig ich deine physischen Vexier-Gesichter-Metamorphosen
aushalte: so sehr gefallen mir deine satirischen und geschriebnen (denn
eine Satire machen heisset blos ein metaphorisches Gesicht schneiden).
Das Wenige unterstrich ich, über dessen Aenderung oder Weglassung 328,25
du nachdenken solst.

a) Du kanst beides behalten und etwan es in diese Parenthese zu
sammendrücken: „Fände sich gar nichts (denn auf dem Turnierplaz
des J. B. wil die Intelligenz-Gallerie nur das Gebalge sehen, nicht
aber ob jemand zur Ehre der Ritterschaft oder als gedungner Cham328,30
pion aufreite, ob er seine Turnierübungen nach oder wider die Turnier
geseze und Regeln der Kunst vormache) so etc.“
b) Zwei vermodern in Kirchen neben andern Todten.

N. S. [19. März?]


Eh ich iezt in deine Nachbarschaft gehe: wil ich noch an dich eine328,35
Bitte um Verzeihung der verschlimmerten Gestalt thun, in der du dein
Museum bekömst und die ich dem H. Fleischer zu danken habe, der 329,1
sonst fast noch reinlicher ist als ich und doch etwas beflekt hat wie ich.
Nims ia nicht übel und besorge keine Wiederholungen des Verleihens
und Besudelns.

H: Berlin JP. 2 S. 4°. K (nach Nr. 368): Den 19 [!] März Otto. J: Otto 1,63 (16. März). B: IV. Abt., I, Nr. 127. 328 , 13 diese Unverständl.] aus Das H 14 ein zige bis gewannen.] beste Mittel, dem 1 und 2ten Leser zu gefallen K 19 von deinen] aus für deine H 29 J. B.] davor gestr. H. [= Höfer] H
Ottos Aufsatz „Von den öffentlichen Bibliotheken in Hof“ erschien im Höfer Intelligenzblatt vom 21. und 28. April 1791, 14. und 15. Stück; wiederabgedruckt Otto 1, 59—63. 328,20 Holofernes: vermutlich Albrecht Otto. 27—32 Otto hat beide Besserungsvorschläge befolgt. 35ff. Vgl. Tagebuch, März 1791: „Am 19. hatt’ ich einen Zank mit O. über ein besudeltes Buch, das ich weggeliehen...“ Danach scheint das Datum von K für die Nachschrift zu stimmen. Der Übeltäter war vermutlich der Hofer Justizkommissar Georg Christoph Friedrich Fleischer (Adreß- buch 1796, S. 379). Das Lob der eignen Reinlichkeit ist natürlich Ironie; Hermann schreibt am 20. Nov. 1788 über seinen Grafen Broglie an Richter: „An Reinlichkeit und Schonung ist bey ihm noch weniger daran zu denken als bey dir.“ Vgl. 387 , 19—21 .

Erwähnungen im Kommentar:

Personen

Textgrundlage:

367. An Christian Otto. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 1. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1956.

Seite(n): 328-329 (Brieftext); 521-522 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Christian Otto. Schwarzenbach a. d. Saale, 14. März 1791. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=I_367 >


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