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68,1
Liebe Mama,

So lange Sie mir nicht antworten, so lange schreib’ ich auf keinen
halben Bogen mer, sondern nur auf kleine Blätgen, aber auch von
feinem Papier. Sie werden mich doch nicht vergessen haben? Oder 68,5
sind Sie krank? oder haben Sie meinen neulichen Brief an Doppel-
maier nicht erhalten, dem ich ein so kleines Briefgen an Sie bei
gelegt?..... oder haben Sie mir gar keine Neuigkeiten zu schreiben?
Ich hab keine; darum nam ich so ein kleines Blätgen. — Wenn ich
zu Pfingsten nach Hof komme, so werd’ ich Ihnen nicht nur mich, 68,10
sondern auch alte Wäsche mitbringen. Sie schikken ia meinen Strümp
fen und Hemdern gar keine Rekruten nach? Ich habe keinen ganzen
Strumpf; ich lasse wol einige flikken, aber was ist das. Grobe Hemde
hab’ ich genug; nur nicht viel klare; und blutwenig zerrissene Strümpfe.
— Was macht mein Samuel? Ich freue mich recht auf den kleinen 68,15
Jungen; sagen Sie ihm doch, daß er mir ein par Zeilen schreibt, wenn
Sie nicht können. — Sein Sie nicht böse, daß ich so lustig bin: denn
ich schreibe den ganzen geschlagnen Tag spashafte Bücher und da kan
es denn nicht anders kommen als daß ich auch spashafte Briefe schreibe.
Noch eins! Ich bin nicht mer in meinem alten Logis, sondern auf den 68,20
Sommer in einen schönen Garten vor dem Tore gezogen. Ich bin aber
immer noch bei demselben Hern, dem mein voriges Logis gehörte; der
Garten gehört nämlich ihm. Auf Ihren Briefen behalten Sie dem
ungeachtet noch die alte Addresse bei; sie werden mir schon übergeben.
— — Leben Sie wol und schreiben Sie nicht [!] an 68,25

Ihren
Leipzig den 3 Mai. 1783.
geh. Son J. P. F. Richter



Schikken Sie dieses Paket gleich an den Pfarrer in Rehau. Was
macht der alte Adam, mein Bruder? Komt er zu Pfingsten auch nach 68,30
Hof? —

H: Goethe- u. Schiller-Archiv. 2 S. J: Wahrheit 3,318 ×.

Textgrundlage:

40. An Frau Richter in Hof. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 1. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1956.

Seite(n): 68 (Brieftext); 439 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Sophie Rosine Richter. Leipzig, 3. Mai 1783. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=I_40 >


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