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Hof. d. 30 Jun. 93 [Sonntag].
387,25
Mademoiselle,

Ich thue sonst meine Bitten nur um 5, 6, 7 Uhr — aber jezt schon
vor der Kirche. Frauenzimmer rechnen auf jede Viertelstunde einer
Reise eine Schachtel und machen keine Reise — die in die zweite Welt
ausgenommen — ohne einen ganzen Kammerwagen. Hingegen Mans387,30
personen brauchen auf 40 Stunden nur ein kleines Koffergen. Da aber
ich und Otto II. nicht einmal das haben: so bitten wir beide Ihre
Eltern um einen recht kleinen Koffer, der so lang ist wie zwei an ein-
andergelegte Damenhüte und so breit wie einer. Ich bitte Sie, unsre
Mitlerin zu sein. Aber so weit wie etwan — Oertels Gewissen darf 387,35
er nicht sein.

Ich habe noch eine Bitte, eine Frage, und eine Wetterprophe388,1
zeiung.

Die Bitte — um Antwort auf Vormittag.

Die Frage — ob Sie heute irgendwo zu finden sind?

Die Prophezeiung — daß der Mond einen Hof haben wird. 388,5

Ich habe die Ehre mit grosser Hochachtung zu sein

Deroselben
gehors. Diener
Fr. Richter


H: Berlin acc. ms. 1900. 60 (derzeit BJK). 3 S. 8°. J: Täglichsbeck S. 36.
387,35 Oertel: wohl nicht der Kammerrat von Oerthel, sondern der Hofer Bürgermeister Samuel Friedrich Oerthel (Adreßbuch 1796, S. 421; Weißmann Nr. 5750), der anscheinend ein Barnickel (vgl. 186,14) redivivus war.

Textgrundlage:

432. An Renate Wirth. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 1. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1956.

Seite(n): 387-388 (Brieftext); 539 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Renate Wirth. Hof, 30. Juni 1793. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=I_432 >


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