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Liebe Mama!

Ich hätte Ihnen eher geschrieben, wenn ich Ihren Brief so beant
worten hätte können als ich und Sie es wünschten. Neulich schon hab’
ich meinen gänzlichen Mangel an Geld Ihnen bekant gemacht. Schlech112,20
terdings nichts hab’ ich, womit ich Ihnen helfen könte und ich habe
noch Mühe, für mich selbst soviel geborgt zu bekommen, als ich
brauche. Also wie wolt’ ich auch für Sie gelehnet erhalten? Zumal da
ich hier keine Bekanten habe, bei denen ich so etwas suchen könte; und
der einzige Örthel hat mir onehin schon mer als zuviel, oft so, daß 112,25
er selbst darüber sich in Not stekte, borgen müssen. Ich bitte Sie also,
verlassen Sie Sich ia niemals auf mich. Wenn ich etwas habe, das ich
geben kan: so thue ich es von selbst, one daß Sie es vorher zu verlangen
brauchten. — Aber warum liessen Sie denn Ihre Stube weissen? Sie
wissen ia, daß Sie das Haus doch bald verkaufen müssen? Es kostet Sie 112,30
Geld, das Sie eigentlich zulezt für einen Fremden ausgeben. — Was
fangen Sie denn iezt mit dem Gotlieb an? Ich wolte lieber, Sie hätten
meinem Rat gefolgt und bei dem Elrod ihn gelassen. Denn so kan gar
nichts aus ihm werden. — Ich sol Ihnen einen Brief an die grosse
Elrodtin machen. Aber für mich schikt sich ia das gar nicht (zumal da 112,35


ich an sie iezt gar nicht mehr schreibe) sondern Sie müsten das tun. 113,1
Und was hilft er zulezt? Andre Leute glauben dem schlechten Mensch
doch. Ich wolte, Sie liessen die Leute reden was sie wolten; zulezt
hören sie von selbst [auf]. Wer denkt iezt mer an die Schimpfworte, die
die Riesin über Sie ausgesprengt hat? Sie sind nun längst vergessen. 113,5
Und so wird es auch hier gehen. — In Helmbrechts liegt ein blau-
eingebundnes Schreibbuch von mir mit dem Titel: Verschiedenes
aus den neuesten Schriften. Zwölfter Band.
— Ich gab es der
Elrodin zu lesen; fordern Sie es zurük; vergessen Sie es ia nicht. —
Ich wünsche Ihnen glükliche Feiertage und bin 113,10

Leipzig den 20 Dez. 17[83.]
Ihr gh. Sohn J. P. F. Richter



H: Goethe- u. Schiller-Archiv. 1 S. 2°; am Schluß ist ein Stück abge schnitten mit den beiden letzten Ziffern der Jahreszahl und möglicher weise noch einer Nachschrift. Adresse auf der Rücks.: A Madame Madame Richter à Hof. J: Wahrheit 3,321 u. 323×.
112 , 33 Elrod: vgl. zu Nr. 49. 113,5 Riesin: vgl. 51,30 und 12,31ff. 7f. Dies Exzerptenheft fehlt im Nachlaß, wurde also nicht zurückgegeben, vgl. 123 , 32–34 .

Textgrundlage:

66. An Frau Richter in Hof. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 1. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1956.

Seite(n): 112-113 (Brieftext); 449 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Sophie Rosine Richter. Leipzig, 20. Dezember 1783. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=I_66 >


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