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Liebe Mama!
117,25
Mein Brief wird kurz werden, weil Ihrer kurz ist und mir wenig zu
beantworten giebt. Wegen des Ditleins kan ich Ihnen noch keine
andre Antwort geben als nur noch eine kleine Zeit zu warten, wo ich
ihm [!] ia gerne und mit Zins bezalen wil. — Wenn Sie wegen der
Lotterie mir doch nur folgten! Glauben Sie denn, wenn es nur darauf 117,30
käme, hineinzusezen und zu gewinnen: so würde ia ieder so gleich reich
werden können: denn er brauchte ia nur etwas Geld aufzuwenden.
Aber man wird durch Lotterien so selten reich, daß Tausende schon arm
geworden. Die Lotterien sind schon so eingerichtet, daß man alzeit wenig
dabei gewinnen kan. Und Sie wagen nicht wenig, wenn Sie in die 118,1
hiesige sezen: der erste Einsaz ist zwar nur ein Gulden; aber man mus
fortfaren einzusezen und dan steigt es sehr hoch. Überdies ist iezt die
Zeit nicht, wo Sie gut einsezen könten; Sie müsten wenigstens noch
etwas warten. Dazu ist ia in Baireut auch eine Lotterie; warum wollen 118,5
Sie lieber in die hiesige einsezen? Glauben Sie in dieser etwan viel zu
gewinnen? Aber das können Sie ia auch in der Baireuter; wenn Sie nur
viel einsezen wollen. — In Betref des Briefwechsels zwischen mir und
der Elrodtin da irren Sie sich ganz. Wir haben zwar sonst einige
Briefe an einander geschrieben; aber schon im November bekam sie 118,10
den lezten von mir. Die Verbindung zwischen uns ist aufgehoben.
Was Sie von einem Briefe von 6 Wochen schreiben, davon ist kein
Wort war. Denken Sie denn, ich würde von ihr mein Buch zurükzu
fodern so unhöflich sein, wenn wir mit einander noch gut stünden?
Und was brauchte ich es dan durch Sie thun zu lassen, ich könte es dan118,15
besser durch einen Brief an sie verrichten. Und wenn ich noch mit ihr
dazumal, als die Uneinigkeit wegen den [!] Gotlieb war, gut gewesen
wäre: glauben Sie denn nicht, ich hätte soviel als ich gekont hätte mir
Mühe gegeben, etwas zum Fortkommen meines Bruders beizutragen.
Auch hab’ ich Ihnen ia neulich schon gesagt, daß unser Briefwechsel 118,20
zu Ende ist; glauben Sie denn, daß ich Ihnen vorlüge? — Was den
Ring anlangt, so war die ganze Sache ein Spas: denn ich gab ihr
keinen, sondern schikte ihr ihren wieder zurük. Denn was hülfe mich
ihr Ring? Sehen Sie, das ist die ganze Sache. Ich bitte Sie also
nochmals, fodern Sie ihr mein Buch ab, weil mir daran gelegen ist. 118,25
Denn bis ich selbst nach Hof komme, das möchte wol noch bis Micha
elis Zeit haben. Wo ist denn der Gotlieb iezt? Sagen Sie doch dem
Heinrich, daß er einmal an mich schreibt. Vergessen [Sie] dies ia
nicht. — Die Advokatenkosten die sind sehr gros. Ich weis nicht, wie
Sie sich wegen dem Barnikkel heraushelfen wollen. Wie wird es denn 118,30
wegen Ihrem Haus? — Ich bin

Leipzig den 2. April 1784.
Ihr
gehorsamer Sohn
J. P. F. Richter



N. S. Schreiben Sie mir doch Neuigkeiten von Hof und Schwarzen- 118,35
bach; und antworten Sie auf meine Briefe ganz; denn Sie antworten
manchmal auf manches nicht.

H: Goethe- u. Schiller-Archiv. 1 S. 2°; auf der Rücks. Adresse: A Madame Madame Richter à Hof. J: Wahrheit 3,321 ×. A: IV. Abt., I, Nr. 26.
117,27 Wahrscheinlich der Schuhmachermeister Joh. Christian Dittlein in Hof (gest. 12. Okt. 1792), ein Vetter von Frau Richter; vgl. Wahrheit 2,88 u. I. Abt., II, 355,19ff. 30ff. Lotterie: vgl. 79,14–17 u. I. Abt., I, 457ff. 118,13 mein Buch: vgl. 113,6–8. 30 Barnickel: vgl. 44 , 11 †.

Textgrundlage:

70. An Frau Richter in Hof. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 1. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1956.

Seite(n): 117-118 (Brieftext); 450 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Sophie Rosine Richter. Leipzig, 2. April 1784. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=I_70 >


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