Hinweis zur mobile-Version:
Bitte beachten Sie, dass Brieftexte und Kommentare auf Medium und Large Screen-Devices optimal dargestellt werden, während eine responsive Darstellung des Textes auf Small Screen-Devices durch die Beibehaltung des Zeilenumbruchs beeinträchtigt ist.




[ Leipzig, 22. Juli 1784 ]

Wenn ein Jüngling von 22 Jahren sich die Freiheit nimt, Ew. eine
Satire für das Magazin zu senden, worin schon Ihre Satiren stehen:
so kan er nicht das Geringste zu seiner Vertheidigung anführen und ich 124,25
zweifle sehr, ob sogar die Satire selber, hätte sie auch die grösten
Gaben, im Stande ist, seine Sache mit einigem Glükke zu führen und
ihn von dem Vorwurfe der Unbescheidenheit zu retten. Die einzige
Rechtfertigung mithin, worauf ich mich verlassen mus, ist, daß wol
niemand noch von seinen Arbeiten die grosse Meinung geheget, die124,30
ich von der gegen[wärtigen] zu haben versichern darf; zumal da diese
Überzeugung von der Schönheit meines Produktes nicht sowol von
einem gewöhnlichen Autorstolze als von der Gewisheit herrührt, daß es
mit den geistigen Geburten nicht anders als [mit] den leiblichen sein
könne, welche wie man sagt, desto wolgebildeter ausgefallen, in ie 124,35

grösserer Furcht die Mutter wärend der Schwangerschaft gewesen, daß 125,1
sie eine verrenkte und mit Muttermählern entstellete Geburt der Welt
schenken werde. — Ich wage diesem nichts hinzuzufügen als die Bitte,
daß Sie dem Briefe den Ton der Laune und dem Aufsaze den Gehalt
derselben verzeihen mögen; und als die Versicherung, daß ich mit der 125,5
Hochachtung, zu der mich grössere Beispiele auffodern, bin —

K 1 (Konzept): 7. [gestr. An Himburg.] * K 2: 7. Den 22 [aus 19] Jul. An Lichtenberg in Göttingen. i: Wahrheit 3,287. K 1 lautet: Die Mütter, die sich in [aus wegen] der Schwangerschaft vor Misgeburten [fürchten], bringen die schönsten Kinder zur Welt; so ist mein Buch gut, da ich es schlecht zu machen befürchtet. — Messer und Gabel — 124 , 25 nichts K 2 125 , 3 dieses K 2
Es handelt sich um die Satire „Zerstreute Betrachtungen über das dichterische Sinken“, die, da Lichtenberg sie offenbar zurückschickte, im Oktober 1784 in Archenholz’ Journal „Litteratur und Völkerkunde“ er schien, s. Nr. 84†. Der ursprüngliche Schluß, der auf den Abdruck in dem von Lichtenberg und Forster herausgegebenen „Göttingischen Magazin der Wissenschaft u. Literatur“ berechnet war, hat sich im Nachlaß erhalten. Vgl. FB Nr. 8.

Textgrundlage:

76. An G. Chr. Lichtenberg in Göttingen. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 1. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1956.

Seite(n): 124-125 (Brieftext); 453 (Kommentar).
Zur Konkordanzliste aller Bände


Zitierempfehlung:

An Georg Christoph Lichtenberg. Leipzig, 22. Juli 1784. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=I_76 >


Zum XML/TEI-file des Briefes