Edition Briefe von Jean Paul Korrespondenz

Von Jean Paul an Max Richter. Bayreuth, 12. November 1820.

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Baireut d. 12. Nov. 1820 [Sonntag]
78,31

Mein geliebter Sohn! Gerade heute vor dem Empfange deines
zweiten Briefes — so wie des Kometen — wollt’ ich dir den an deinem
Geburttage gekauften Wechsel schicken. Du läßest dir ihn von einem79,1
Heidelberger bezahlen und schreibst blos in einer vier Zeilen breiten Ent-
fernung von meinem Namen den deinigen darunter. — Schreibe mir,
wann mein voriger am Dienstage abgegangner, und mein heutiger Brief
angekommen. — Deine Urtheile über Menschen treffen meistens treff79,5
lich; und deine sittlichen Gefühle in deinen Briefen erquicken mein Herz,
du gutes Kind. Deine moralischen Früchte sind mir noch erfreulicher
und unerwarteter als deine wissenschaftlichen Blüten. — Ich habe
jetzo in den Arbeitstunden nur zu Zeilen Zeit. — Emanuel kassiert wahr-
scheinlich in München dein Geld ein. — Grüße deine Eltern und deinen 79,10
Bruder, und sage diesem, meinem geliebten Heinrich, daß ich heute mit
Wollust in dem druckfehlerfreien Kometen geblättert; ferner daß ich
dem Gift-Müllner nie ordentlich antworten, aber ihm wol im Vorbei-
gehen ein Stecher mit Dornenkrone sein werde. Grüße recht die lie
benden Schwarz und besonders meine Morgennachtigall darunter. 79,15
Lebe wohl, wohl, wohl, geliebter Sohn!



Richter

Zitierhinweis

Von Jean Paul an Max Richter. Bayreuth, 12. November 1820. In: Digitale Neuausgabe der Briefe von Jean Paul in der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), überarbeitet von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=VIII_115


XML/TEI-Dokument

Textgrundlage
D: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 8. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1955. Briefnr.: 115. Seite(n): 78-79 (Brieftext) und 351 (Kommentar). Konkordanzen Druck-Digitale Edition

Kommentar (der gedruckten Ausgabe)
Siglen

H: FDH. 2 S. 8°. K: Max 12 Nov. J: MaxRichter Nr. 5×. B: IV. Abt., VIII, Nr. 73. A: IV. Abt., VIII, Nr. 80. 78,32 vor] aus bei H 79,7 noch] davor gestr. weit H 12 druckfehlerfreien] aus fehlerfreien H

79,13 Müllner: vgl. IV. Abt. (Br. an J. P.), VIII, Nr. 71. 15 Morgennachtigall: Jette Schwarz, vgl. Bd. VII, Nr. 322,146,11f., 182,18 .