Edition Briefe von Jean Paul Korrespondenz

Von Jean Paul an Joseph von Görres. Bayreuth, 16. August 1822.

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Baireut d. 16. Aug. 1822
196,31

Vortrefflicher Görres! Der Überbringer dieses, welcher so sehr Sie
zu sehen wünscht, ist hiesiger katholischer Pfarrer — Nam[ens]
Oestreicher — welcher als ein charakterbraver, amttreuer und licht-
voller Geistlicher bei zwei Konfessionen zugleich in Achtung steht. Seine 197,1
Kunstliebe der Malerei, folglich aller Landschaften führt ihn nach der
Schweiz. —


Ich bereu’ oft den von mir selber gewählten Verlust von Koblenz
und von Ihnen, da mich schwerlich wieder eine Reise in die Nähe dieses197,5
zweifachen Genußes bringen wird. Meine Bewunderung Ihrer Kräfte
wächst sogar mit der Bahn, die Sie zuweilen weit von meinen Über
zeugungen entfernt, wenigstens von meinen religiösen, welche mehr
einem Jacobi und Herder nachfolgen. — Die politische Versündigung
an Ihnen ist ein wissenschaftlicher Raub an Deutschland. Aber zum 197,10
Glücke bleiben Sie als Koriolan auch im Ausland unser Römer. —
Da ich Monate lang oder Bände breit mit Ihnen zu sprechen hätte:
so will ich auch nicht das kleinste Aussprechen auf einem Blättchen ver
suchen, das nur den Überbringer überbringen und empfehlen und meine
hohe Achtung für einen Mann, der aus Männern besteht, ausdrücken197,15
soll.



Ihr
Jean Paul Fr. Richter

Zitierhinweis

Von Jean Paul an Joseph von Görres. Bayreuth, 16. August 1822. In: Digitale Neuausgabe der Briefe von Jean Paul in der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), überarbeitet von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=VIII_326

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Textgrundlage
D: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 8. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1955. Seite(n): 196-197 (Brieftext) und 392-393 (Kommentar). Konkordanzen Druck-Digitale Edition

Kommentar (der gedruckten Ausgabe)
Siglen

H: Berlin JP. 3 S. 8º. K: Görres in [!] 16 Aug. J 1: Denkw. 3,324. J 2: Görres’ Gesammelte Briefe, 3. Bd. (1874), S. 23, Nr. 254. A: IV. Abt., VIII, Nr. 197. 197,4 bereu’] danach gestr. es H 6 Genußes] aus Glücks H

196,34 Oestreicher: vgl. Bd. VII, Nr. 223,87,32f. 197,4 Koblenz: vgl. 77,5 und Bd. VII, 148,18–20†. 9–11 Görres hatte vor der Verhaftung, die ihm wegen seiner Schrift „Teutschland und die Revolution“ (1819)drohte, nach Straßburg und in die Schweiz flüchten müssen.