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Korrespondenz

Von Jean Paul an Heinrich Voß. Bayreuth, 6. März 1818 bis 10. März 1818.

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Baireut d. 6ten März 1818

Mein geliebter Heinrich! Dein Schweigen seit dem 13ten Febr. beklemmt mich fast; sei alles, was du willst, nur nicht krank. Aber ich hoffe, du leidest an nichts als an der Ostermesse. Hätte man nur bald deine Vorrede und Notenbordüre zu Shakespeare, von welchen mir deine Briefe so vielen Genuß ahnen lassen, z. B. deine Bemerkung über Desdemona. — Wenn du freilich den D. Dapping dir gleich ordnest: so kann ich in Einsichten und Wolwollen keinen bessern Rezensenten bekommen; und ich danke dir im Voraus für deinen Koadjutor. Könnte mir nicht seine gute Schwester sein von dir so gelobtes Urtheil über den Titan abschreiben, dem noch immer wie uns Menschen, das beste oder jüngste Gericht fehlt? Wie sehr ich strenge Urtheile liebe und suche, siehst du aus meinem eignen exekutierten über den Siebenkäs. — Daß du diesen erst auf Korrektur bogen kennen lernst, ist ein großer Verlust für ihn und für den Schoppe im Titan. — Lieblicher Lindenhonigseim waren mir in der Minerva deines H. Vaters übersetzte Shakespeare Liederchen. Ach wollte er doch uns das Liedchen: take, o take away etc. von der Insel auf das Festland herüber hauchen! — Im Frühling komm’ ich und will mit euern Bergen, ihr Geliebten, blühen, wenn auch nur mit meiner Nachsommerblüte. Nur nach Manheim geh’ ich noch dem Rhein nach; übrigens von euch nach Stuttgart oder umgekehrt; höchstens nach Frankfurt noch. Wenige Tage heissen bei mir, wenn ich von Heidelberg spreche, wenigstens 14 Tage, wenn nicht d’rüber. Ach, ich habe so viele Natur-Aussichten und so viele Belehrungen nachzuholen! z. B. von Munke Antworten auf lange zusammengesparte Fragen, so von Daub, Paulus. — Frau von Ende wird in der Osterwoche durch euer und ihr Eden ziehen. — Diesen Brief bringt der 4te Band des Siebenkäs (bis auf ¼) mit. — Hier will ich abschnappen, weil ich noch 3 Posttage vor mir sehe, an denen du mir gewiß etwas zum Beantworten schicken wirst.

d. 10ten

— und nichts geschickt hast; denn gerade morgen, wenn das Buch fort ist, wird etwas von dir anlangen. Aber die Antwort darauf soll über 8 Tage mit den letzten Schwanzfedern des Siebenkäs abgehen. Gott gebe nur, daß ihr alle gesund geblieben und bleibt, damit ich mich nicht zu vergeblich auf meinen Frühling gefreuet. — Grüße mir herzlich die rechte und linke Herzkammer an deiner Brust, Mutter und Vater; und meine Sophie und Mutter und Vater; und bleibe mein Heinrich.


Dein J. P. F. Richter

Grüße mir doch auch deinen lieben Bruder Abraham. Welches schöne Drei hab’ ich noch durch dich zu kennen und zu bekommen!

Zitierhinweis

Von Jean Paul an Heinrich Voß. Bayreuth, 6. März 1818 bis 10. März 1818. In: Digitale Neuausgabe der Briefe von Jean Paul in der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), überarbeitet von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=VII_382


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Textgrundlage
D: Jean Pauls sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 7. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1954. Briefnr.: 385. Seite(n): 176-177 (Brieftext) und 400-401 (Kommentar). Konkordanzen Druck-Digitale Edition

Kommentar (der gedruckten Ausgabe) Siglen

H: Landesbibl. Eutin. 3 S. 8°; 4. S. Adr.: Herrn Professor Heinrich Voß, Heidelberg, d. E. K 1 (nach Nr. 383): Voß d. 10 März. K 2 (von Karolinens Hand): Berlin JP. i (nach K 2): Wahrheit 8, 133×. J: Voß S. 47×. B: IV. Abt., VII, Nr. 97. 176,22 Genuß] davor gestr. Freude H 28 beste oder] nachtr. H, fehlt K 1 35 auf das] aus aufs H herüber] nachtr. H 177,6 Natur] nachtr. H 17 geblieben und] nachtr. H

Einschluß des folgenden. 176, 23 Desdemona: Voß hatte geschrie ben, es sei tröstlich, daß sie, so wie Julie, nicht ganz schuldlos sterbe, da sie durch ihre Heirat ihren Vater tödlich gekränkt habe. Dr. Dapping, ein Bruder der Sophie (s.Nr.360), sollte den neuen Siebenkäs rezensieren. 32—35 Im Taschenbuch Minerva auf 1817, S. 387—392, hatte J. H. Voß „Bruchstücke aus Shakespeare“ (Sommernachtstraum und Was ihr wollt) veröffentlicht. Das Lied „ take, o take away“ in Maß für Maß IV, 1.