Edition Briefe von Jean Paul Korrespondenz

Von Jean Paul an Friedrich Carl und Paulowna Maria. Bayreuth, 17. November 1809.

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widmet der Verfasser sein Buch in diesen Polymetern:

68,33
1.69,1
Der Fackeltanz.

Ich kenne einen schönern Fackeltanz der Fürsten als den kurzen
der Vermählungs-Feier, ich kenn’ ein Land, klein und licht, wo
Genien wohnen und den Fürsten Fackeln erschaffen und reichen;69,5
die Fürsten tragen sie in schöner, leichter, nichts verletzender Be
wegung umher, und hell wird es weit in fremde Länder hinaus.
Zwei Genien und deren Gönnerin sind nicht mehr; aber die Gegen-
wart reift fort und die Zukunft blüht entgegen.


2.69,10
Streit der Perle mit der weissen Rose.

„Ich bin Ihr ähnlicher und gehöre Ihr mehr an als Du; denn
„ich glänze rein“ — sagte die Perle.


Aber ich trage die Unschulds Farbe noch heller — sagte die
weisse Rose — ich bin ähnlicher.69,15

„Aber mein Werth verwelket nicht“ —


Aber ich hauche Lebens-Frühling dem Zephyr zu.


„Und ich berühr’ als blasser Schmuck Ihr Haupt.“


Und ich ruh’ an Ihrer Brust zuweilen. — —


Plötzlich that eine rothe Rose alle ihre jungen Reize aus ein69,20
ander und sagte im blühenden Prangen: wetteifert nicht so ver
geblich, ihr Schönen! Ich bin Ihr ja auch ähnlich.


3.
Die Schönheit.

Wie in Zimmern mit rosenrothem Spiegelglase jedes Angesicht69,25
blüht und überall Morgenröthe umher liegt: so verschönert und
verjüngt die Schönheit alles was sie umgibt. Sie — der Frühling
der Gesellschaft — wärmt jede Kraft zum Aufblühen und die ge
sellige Prose zur einsamen Poesie — das Alter wird jugendlich,
die Jugend wird ernst — jedes Herz bewegt sich mit neuer freudiger69,30
Macht — und deutsche Zepter richten sich als zartgezogne Magnet-
nadeln nach Norden.


4.70,1
Die Zueignung der Dämmerungen an Zwei.

„Zweierlei Dämmerungen, die des Abends und des Morgens
„eignest du zu, Ihm und Ihr; und beiden durch dasselbe Wort;
„wie rechtfertigst du was du wagst?“ —70,5

Beides durch den Himmel; über eine Dämmerung regiert der
Abendstern, auch der Stern der Liebe genannt; die andere Däm
merung beherrscht der Morgenstern, der Licht-Träger genannt. So
mögen auch meinen Dämmerungen (ist der Wunsch) zwei günstige
Sterne scheinen!70,10

„Aber beiden sagst du einerlei Wort?“ —


Am Himmel ist Abend- und Morgen-Stern nur einer und eins.


Ihrer herzoglichen Hoheit
und
Ihrer kaiserlichen Hoheit 70,15


Ihrer herzoglichen Hoheit
und
Ihrer kaiserlichen Hoheit 70,15
Bayreuth d. 17. Nov.
1809.


Zitierhinweis

Von Jean Paul an Friedrich Carl und Paulowna Maria. Bayreuth, 17. November 1809. In: Digitale Neuausgabe der Briefe von Jean Paul in der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), überarbeitet von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=VI_189


XML/TEI-Dokument

Textgrundlage
D: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 6. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1952. Briefnr.: 190. Seite(n): 68-70 (Brieftext) und 452-453 (Kommentar). Konkordanzen Druck-Digitale Edition

Kommentar (der gedruckten Ausgabe)
Siglen

H: Bibliothek des Hauptfideikommisses des Großherz. Hauses, Weimar. 8 S. 8°, eingeklebt in ein Exemplar der Dämmerungen. (Faks. der beiden ersten Seiten s. I. Abt., XIV, 192/193.) K: Dr. Ernst Meyer, Spandau. 2 S. 8° (nur der Schluß, Nr. 4 und Unterschrift). J: Zeitschrift f. Bücherfreunde, N. F. VIII (1916), Beiblatt S. 163. 69,9 reift] reißt J 70,9 günstige] fehlt K

Vgl. Nr. 17†. Die Dedikation wurde ohne Nennung der Adressaten mit kleinen Änderungen (z. B. Nr. 3 vor 2) und einem kurzen Vorbericht am Anfang der Nachdämmerungen (1810) abgedruckt, s. I. Abt., XIV, 189f. Die zwei Genien sind Herder und Schiller, die Gönnerin die Herzogin Amalie (gest. 1807). Der Schluß von Nr. 3 spielt auf die russische Herkunft der Erbprinzessin an.