Edition Briefe von Jean Paul Korrespondenz

Von Jean Paul an Christian Otto. Bayreuth, April oder Mai 1810.

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[ Bayreuth, Mai 1810 ]
102,32

Guten Tag! Wer einen haben will, gehe heute in die
Hermitage, von der ich eben zurück komme. — Lies zuerst Dalbergs
alten Brief — dann im gestern angekommnen Museum S. 145 — 102,35
dann den 2ten Legazionsrath Vogt S. 92, 93 oder beide Dramen.
— Eine Stunde lange kocht’ ich gestern und wollte den schwarzen103,1
Krebs schamroth kochen. Jetzt nehm’ ich aber an allen eine be
quemere Rache und geb’ ihnen — nichts. Dagegen ist mir D. Ehr-
mann
ein Ehrenmann.


Sage mir doch deine Meinung über den Wein und dessen103,5
Namen [?]. Mum sagte, ich möchte ja nicht vorher jemand etwas
davon versprechen, eh ich ihn gekostet.

Zitierhinweis

Von Jean Paul an Christian Otto. Bayreuth, April oder Mai 1810. In: Digitale Neuausgabe der Briefe von Jean Paul in der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), überarbeitet von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=VI_265


XML/TEI-Dokument

Textgrundlage
D: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 6. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1952. Briefnr.: 265. Seite(n): 102-103 (Brieftext) und 469-470 (Kommentar). Konkordanzen Druck-Digitale Edition

Kommentar (der gedruckten Ausgabe)
Siglen

H: Berlin JP.

Die Datierung in der Druckausgabe auf "April oder Mai" ist zu berichtigen; aus dem 7. Gedankenheft Jean Pauls (Fasz. 11b) ergibt sich, daß dies Billett nach Nr. 267 geschrieben wurde. Terminus ad quem ist Jean Pauls Brief an Engelmann Nr. 276 (3. Juni). In der in Engelmanns Brief bereits angekündigten „Sammlung einiger in dem Frankfurter Museum vorgetragenen Arbeiten“ (Frankfurt a. M. 1810), die auch die beiden ersten Lieferungen von Jean Pauls „Sedez-Auf sätzen“ enthielt, wurde in einer von dem Frankfurter Stadtgerichtsrat Dr. Joh. Friedr. Schlosser (einem Neffen von Goethes Schwager) her rührenden „Darlegung dessen, was bisher in dem Frankfurter Museum geleistet wurde“ S. 145 darüber Klage geführt, daß die auswärtigen Mitglieder in ihren Beiträgen zum Teil das Museum irrigerweise für eine Anstalt zu geistiger Zerstreuung und Belustigung statt zu ernster Belehrung und Forschung anzusehen schienen, und in diesem Zu sammenhange besonders auch Jean Paul in wenig taktvoller Weise auf gefordert, bei künftigen Mitteilungen die wahrhaften Zwecke der Ge sellschaft mehr zu berücksichtigen. Dalbergs alter Brief ist der vom 9. April 1809 (IV. Abt., VI, Nr. 19), worin J. P. zur Einsendung von Aufsätzen ("einen Kleinen Blumen Straus") für das Museum aufgefordert wurde, ohne daß dabei besonderes wissenschaftliches Gewicht verlangt worden wäre. (In einem entsprechenden Schreiben an den zugleich mit J. P. zum Ehrenmitglied des Museums gewählten Zacharias Werner bittet Dalberg nur um „kleine Vorlesungen etwa von der Größe eines Bogens“; s. Briefe des Dichters F. L. Z. Werner, hsgb. von O. Floeck, 1914, II, 187.) Von N. Vogt (s. Nr. 77) enthält der Band u. a. zwei dramatische Gespräche, „Michel Angelo Bonarotti“ und „Rubens und Brauer“; in dem letzteren, nach eigner Angabe des Verfassers im Geist der niederländischen Schule abgefaßten Stücke S. 92f. eine derbe Szene zwischen dem Wirt Muff und dem bei ihm zechverschuldeten Maler Brauer. J. P. fand offenbar diese Stücke auch nicht gerade zu ernster Belehrung und Forschung dienlich. Vgl. Nr. 301. Mum: ein Kölner (?) Weinhändler oder Weinreisender; vgl. Nr. 280.