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Bayreuth d. 22. Mai 1810
104,14
Mitten unter Ihre Geschäfte schick’ ich Ihnen ein neues. Nämlich104,15
der herrliche Dichter des „Schlangentödters“ — den ich in den
Heidelberger Jahrbüchern so gelobt und dessen Rezension der
neuen Ausgabe, betitelt Held des Nordens, vorgedruckt ist —,
nämlich der Baron La Motte-Fouqué bittet mich, diesen Brief an
Sie noch in der Messe abzusenden, damit Sie mit seinem bisherigen104,20
Verleger Hitzig sich über den Verlag der Manuskripte besprechen
können, die dieser nicht annehmen kann. Allerdings verdient Fouqué
einen Verleger wie Cotta ist.

Ich danke Ihnen für Ihre schnelle Antwort und Gabe für
Morgenblatts-Arbeiten; aber eben aus der Schnelle erklär’ ich 104,25
mir, daß Sie nicht Zeit gehabt, an meine Bitte vom 11 August
1809 zu denken, deren Bejahung von Ihnen hier beiliegt, nämlich
mir die Aufsätze im Morgenblatt nach dem Drucke Schmelzle’s
zu honorieren, weil ich sonst für jeden Aufsatz kaum Einen Louisd’or
bekäme, z. B. jetzt für 9 Aufsätze kaum 9 Louis. Lassen Sie einen104,30
Setzer diese leichte Berechnung machen und schreiben Sie mir den
kleinen Überrest zu Gute.

Mein Almanachs-Aufsatz habe blos diesen einfachern Titel:
„Eltern und Kinder. Eine Erzählung.“

Ich möchte wol zur M[ichaelis] Messe ein Bändchen gesam- 104,35
melter Schriftchen herausgeben (den Titel weiß ich noch nicht), da
ich ohnehin in diesem Jahre dem Publikum nichts anderes liefern105,1
kann. Ich würde Aufsätze von mir aus früherer Zeit z. B. aus
der Litteratur- und Völkerkunde von Archenholz, mit aufnehmen
und aus Almanachen; nur müßten Sie mich belehren, was buch
händlerisch Rechtens ist, nämlich wie alt ein Almanach etc. etc. sein105,5
muß, damit man daraus nehmen kann. Viele Leser wünschen diese
flüchtigen Kalender-Blumen in Einen Strauß gebunden. Neu, viel
leicht lang, wäre nur die Vorrede, und die Verbesserungen. Bei
Mohr und Zimmer kann ich schon des Titels wegen diese
Sammlung nicht fortsetzen, da der Katzenberger ja geschlossen 105,10
ist. Thu’ ichs nicht, so kommt mir bald ein Nachdrucker raubend
zuvor.

Die Antwort auf dieses alles erwart’ ich, wie sich versteht, nicht
aus Leipzig sondern aus Tübingen. Ein solches Bändchen — in
zwei Abschnitte, in den ernsten und in den komischen geordnet —105,15
müßte nicht über 12 oder 14 Druckbogen stark sein; und so könnten
wir in jedem Jahre eines geben.

Bei dem Abdrucke der restierenden Aufsätze für das Morgen-
blatt wünscht’ ich wol, daß die Redakzion irgend einen feinen Wink
der schon frühern Einsendung derselben gäbe.105,20

Ich thue fast zu viele Bitten an Sie. Leben Sie wol und be
halten Sie mich so lieb als ich Sie!

Ihr
Jean Paul Fr. Richter


H: Cotta-Archiv. 6 S. 16°. Präsentat: 28 Mai, [beantw.] 31 —. K: Cotta 22. Mai. J: Cotta 1, 388×. B: IV. Abt., VI, Nr. 74. A: IV. Abt., VI, Nr. 81. 104,19 Fouqué] aus Fouquet H (vgl. zu Nr. 96) 26 meine Bitte] aus meinen Brief H 33 einfachern] nachtr. H 105 , 4 belehren] davor gestr. bestimmen H 7f. vielleicht] aus aber H
Fouqué: vgl. Nr. 298†. Der Almanachsaufsatz behielt im Damen kalender und auch beim Wiederabdruck in der Herbst-Blumine 1815 den tautologischen Titel „Die Eltern-Liebe gegen Kinder“. Gesam melte Schriftchen: Cotta erklärte sich in A zum Verlag bereit; aus Almanachen etc. könne man nach etlichen Jahren alles wieder abdrucken lassen. Mohr und Zimmer: vgl. Nr. 282. restierende Aufsätze: vgl. Nr. 221†; Cotta hatte gemeldet, der Zensor sei ab gesetzt, er wolle nun nach einiger Zeit versuchen, die unterdrückten Aufsätze durchzubringen.

Textgrundlage:

271. An Cotta in Leipzig. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 6. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1952.

Seite(n): (Brieftext); (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Johann Friedrich Freiherr Cotta von Cottendorf. Bayreuth, 22. Mai 1810. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=VI_271 >


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