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Bayreuth d. 22. Jul. 1810
122,32
Guter Heinrich! Mehr ein Blättchen als ein Blatt hier! Der
alte gute Eisenhammermeister Cloeter — den ich beinahe begleitet
hätte, wenn Ihr Münchner Vorige wäret — taugt freilich nicht 123,1
in deinen Théezirkel aus Mangel an Poesie und Philosophie; aber
ich ehre an ihm, der vom schwarzen Husaren des 7jährigen Kriegs
sich zu einem Amt-, Kauf- und Land-Mann und zum Vater be
glückter Söhne aufschwang, den scharfen Blick auf Geschäfte,123,5
Leben und Menschen, die Originalität und das redliche Herz und
weit mehreres, denn ich war Lehrer seiner Kinder.

Dieser soll mir mündlich etwas von dir bringen, damit ich doch
zwei Antworten auf meinen vorigen und diesen Brief zugleich
erhalte.123,10

Besonders möcht’ ich, da ich lange in politischen Kümmernissen
deinetwegen gewesen, etwas mündlich wissen nicht so wol über die
Geisel der Fürsten — wie sich der alte Aretin nannte — als über
die Geisel der Geister-Fürsten.

Koeppens Buch hat mich überraschend erquickt; und ich habe 123,15
daher Auszüge und Lobsprüche nach Heidelberg geschickt. —
Warum machst du uns durch die elegante Zeitung zu den Tantalis
der „innern Offenbarung“?

Lebe wol! Ich bin jetzt mit euch Münchner Protestanten sehr
vereinigt — durch einerlei Zepter. 123,20

Dein
Jean Paul Fr. Richter


H: Berlin JP. 3 S. 8°. Präsentat: e. d. 1sten Aug. K: Jacobi 22 Jul. J: Jacobi S. 144. 123 , 6 Leben] nachtr. H 7 mehreres] aus mehr H 9 zwei Antworten] aus eine Antwort H 12 gewesen] aus war H 13 als] aus sondern H 14 Geister-] aus Geistes- H 19 euch] aus den H 20 vereinigt] verbunden K
Cloeter: vgl. Nr. 305f. Joh. Chr. Aretin (1773—1824), Ober bibliothekar in München, war das Haupt der einheimischen Gegner der nach Bayern berufenen norddeutschen Protestanten; vgl. 273,16 und I. Abt., XIV, 169,19. Koeppens Buch: vgl. Nr. 214 u. 225. In der Zeitung für die elegante Welt v. 1. März 1810, Nr. 43, standen „Stellen aus einer noch ungedruckten Schrift von F. H. Jacobi, welche in kurzem erscheinen wird u. d. T.: Über Offenbarung, innere und äußere“. einerlei Zepter: Bayreuth war am 30. Juni 1810 end gültig in bayrischen Besitz übergegangen.

Textgrundlage:

314. An Friedrich Heinrich Jacobi in München. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 6. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1952.

Seite(n): (Brieftext); (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Friedrich Heinrich Jacobi. Bayreuth, 22. Juli 1810. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=VI_314 >


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