Edition Briefe von Jean Paul Korrespondenz

Von Jean Paul an Franz Wilhelm Jung. Bayreuth, 21. Januar 1811.

Darstellung und Funktionen des "Kritischen und kommentierten Textes" sind für Medium- und Large-Screen-Endgeräte optimiert. Auf Small-Screen-Devices (z.B. Smartphones) empfehlen wir auf den "Lesetext" umzuschalten.



Bayreuth d. 21. Jenn. 1811
178,2

Noch vor Ihrer Antwort auf mein Blättchen vom 5ten, send’ ich
Ihnen wieder eine, obwol kleinste Lieferung für das Museum, welche
ich Sie bitte, der Behörde zu übergeben. Mein Herz und mein178,5
Glaube und mein Dank und mein Wunsch haben den kleinen Auf
satz geschaffen, der wenigstens Einem Menschen die höchste Freude
gewährt — dem Verfasser. Aber ich rechne Sie zum zweiten, den
die Freude über den Großherzog erfreuet, und alle brave Frank-
furter zu den übrigen Mitfreudigen. In der Geschichte wird es178,10
künftig nicht mehr heissen: ist kein Dalberg da? — sondern: er
war da und blieb da, denn jedes deutsche Herz war sein Thron.


Der Himmel gebe, daß ich Ihn einmal sehe. Wir würden uns
leicht verstehen; denn schon im 20ten Jahre las ich freudig seine
Ideen „über das Universum“. 178,15

Meine Seele verfinstert sich, wenn ich an jene lichte Zeit gedenke.


Aber ich bin so sehr als von meinem Dasein vom Aufgang einer
deutschen Sonne, wenn auch hinter Morgengewittern überzeugt.



[Schluß fehlt]
Zitierhinweis

Von Jean Paul an Franz Wilhelm Jung. Bayreuth, 21. Januar 1811. In: Digitale Neuausgabe der Briefe von Jean Paul in der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), überarbeitet von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=VI_446


XML/TEI-Dokument

Textgrundlage
D: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 6. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1952. Briefnr.: 446. Seite(n): 178 (Brieftext) und 502 (Kommentar). Konkordanzen Druck-Digitale Edition

Kommentar (der gedruckten Ausgabe)
Siglen

H: Berlin JP. 2 S. 8° (nur bis 178,17 Dasein; der letzte Satz aus K ergänzt). K: Hofrath Jung 21 [aus 22] Jenn. (22 ab). i: Wahrheit 7, 198. K geht folgendes durchstr. Konzept voran: Noch vor Ihrer Antwort auf meine Frage, die sich mir durch alle Kalender beantwortete, send’ ich den kleinen Aufsatz für den Geburtstag des Fürsten, der für Frank furt auf eine bessere Art unsterblich sein sollte als blos geistig. Geben Sie den Aufsatz an Ihren Freund Vogt. — Wie Friedrich der Einzige hieß, so nenne man Dalberg den Einzigen. Aber man mag ihn so nennen oder nicht; seine frühe poetische und philosophische fortschaffende Geschichte sagt eben dasselbe aus.

Vgl. Nr. 431, 439, 455. Dalbergs „Betrachtungen über das Uni versum“ erschienen 1777. Der fehlende Schluß des Briefes scheint noch eine auf die Pension bezügliche Bitte oder Frage enthalten zu haben, vgl. Nr. 435 und 457†.