Edition Briefe von Jean Paul

Von Jean Paul an Karl August Varnhagen von Ense. Bayreuth, 20. März 1809.

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Bayreuth d. 20 März 1809
17,25

Ihre Scheeren-Plastik macht nicht blos meinen Kindern, sondern
auch meinen Freunden und mir große Freude; nur dauert mich bei
dieser Zeichnungs- oder Bildungs-Kraft zweierlei; — erstlich, daß
sie nicht zu ordentlichen künstlerischen Zwecken sich einlenkt — und
zweitens Ihre Augen. Doch letztere noch [mehr] bei Ihrer feinen17,30
kleinen Handschrift. Haben Sie denn so viel Augen als Argus, daß
Sie nach ein Paar weniger nichts fragen? — Sie sind der größte
Augenverschwender, da Sie sogar fremde mit verschleudern.


In unserem illiterarischen Bayreuth kann ich Ihren Roman 18,1
nicht bekommen, wenn Sie mir ihn nicht schicken. Ist er gut: so
hat meine Persönlichkeit keinen Einfluß auf meine Unparteilichkeit.
Ich wünschte ihn sehr. Grüßen Sie Dlle Levi, mich könnte sie am
besten grüßen lassen durch ein Schock voller Bogen. Leben Sie wol.18,5


Ihr
Jean Paul Fr. Richter

Zitierhinweis

Von Jean Paul an Karl August Varnhagen von Ense. Bayreuth, 20. März 1809. In: Digitale Neuausgabe der Briefe von Jean Paul in der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), überarbeitet von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=VI_51


XML/TEI-Dokument

Textgrundlage
D: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 6. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1952. Briefnr.: 51. Seite(n): 17-18 (Brieftext) und 429 (Kommentar). Konkordanzen Druck-Digitale Edition

Kommentar (der gedruckten Ausgabe)
Siglen

K 1: Varnhagen 20 März. * K 2 (von Varnhagens Hand): Berlin Varnh., mit den Vermerken: „erhalten am 14 März 1810. Die Urschrift der Gräfin Fuchs in Wien geschenkt.“ i: Denkw. 3, 193. J: Varnhagens Denkwürdigkeiten 3, 84. B: IV. Abt., VI, Nr. 10. A: IV. Abt., VI, Nr. 82. 17,31 Haben bis Argus] Sind Sie denn ein Argus K 1 33 da bis verschleudern] der sogar fremde verschleudert K 1

Beilage des vorigen Briefs. Da Varnhagen bereits aus Tübingen ab gereist war, sandte Cotta ihm den Brief nach Hamburg nach (Cotta an J. P., 30. Mai 1809); V. erhielt ihn aber erst nach einem Jahr. V. hatte aus Tübingen minutiöse Schattenschnitte für Jean Pauls Kinder gesandt und in dem Begleitbrief von der Verehrung seiner Freundin Rahel Levin für J. P. und von dem satirischen Roman „Die Versuche und Hindernisse Karls“ (1808) erzählt, den er zusammen mit seinen Freunden W. Neumann, Fouqué und Bernhardi verfaßt hatte, und worin u. a. auch J. P. auftritt; vgl. Nr. 583 und Persönl. Nr. 167, S. 106f.