Edition Briefe von Jean Paul

Von Jean Paul an Eberhard Gottlieb Graff. Bayreuth, 25. März 1813.

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Baireuth d. 25. März 1813
318,2

Hier send’ ich Ihnen, liebenswürdiger Zugvogel, Ihr Programm
mit Dank und Lob zurück. Ihr Plan zu einer Bürger-, eigentlich
Humanität-Schule ist bestimmt und edel; nur Lehrbücher und noch318,5
mehr Lehrmänner werden fehlen. Blos S. 18. 19. bin ich nicht
Ihrer Meinung. Gerade die Unähnlichkeit einer fremden Sprache
ist nöthig, um die angeborene zur Anschauung zu bringen und zu
objektivisieren. Es ist — wenigstens der Jugend — schwer, dieselbe
Sprache zugleich zu reden und zu betrachten, und das Auge gleich318,10
sam auf das andere hinzudrehen, um das Sehen zu sehen. Selber
das Denken denken wir uns nur an etwas, das nicht Denken ist.


Sie leben hier in vielen, in jungen und alten Herzen geliebt und
geachtet fort; und alle grüßen Sie. Es gehe Ihnen wol!



Ihr318,15
Jean Paul Fr. Richter

Zitierhinweis

Von Jean Paul an Eberhard Gottlieb Graff. Bayreuth, 25. März 1813. In: Digitale Neuausgabe der Briefe von Jean Paul in der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), überarbeitet von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=VI_742


XML/TEI-Dokument

Textgrundlage
D: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 6. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1952. Briefnr.: 742. Seite(n): 318 (Brieftext) und 555 (Kommentar). Konkordanzen Druck-Digitale Edition

Kommentar (der gedruckten Ausgabe)
Siglen

K (Konzept, nach Nr. 743): Regierungs Rath Graff in Koenigsb. d. März. * J: Denkw. 3, 260. 318,5 Humanitätschule, allgemeine Schule K 6 werden fehlen.] fehlen noch. danach (So möcht ich jeden Tag 50 J. alt werden.) [das Eingeklammerte vielleicht nicht hergehörig] Am Du spiegelt sich wie im Auge das Ich; das Subjekt wird nur an einem Objekt erkannt. K 12 an] aus durch K das nicht Denken ist] aus woran wir denken K 13 in1 bis 14 geachtet] in drei jungen und 2 elterlichen und noch mehr Herzen K (wo dieser Satz am Anfang steht)

Eberhard Gottlieb Graff (1780—1841), der spätere Herausgeber des „Althochdeutschen Sprachschatzes“, damals Regierungs- und Schulrat in Marienwerder, ein Freund Thieriots (s. 317,4 und 333,33), hatte bei einem Besuch in Bayreuth Jean Paul sein Schulprogramm „Die für Einführung eines angehenden Unterrichts nothwendige Um wandlung der Schulen“ überreicht (2. Aufl. Leipzig 1818). Zur Sache vgl. I. Abt., XII, 366 (Levana § 131).