Edition Briefe von Jean Paul Korrespondenz

Von Jean Paul an Christian Otto. Bayreuth, 15. Juli 1814.

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[ Bayreuth, 15. Juli 1814 ]
390,31

Ich danke dir, Lieber, für deine Aufmerksamkeit auf meinen
Buchhändler état. Aber Cotta ist unschuldig. Für den Druck des
Morgenblattes-Bogen gibt er mir wirklich 12½ Ld., d. h. 5 L. 391,1
für 1 Schmelzle-Bogen. Für die „Traumdichtungen“, nur einige
Seiten stark, foderte ich im Ganzen 6 L., und er hatt’ es auch nicht
vergessen; daher ich ihm seinen Brief unnütz zum Erinnern geschickt.
— Bei den 3 L. für Mars ist ein Misverständnis in meinem Briefe 391,5
schuld; ich foderte 6 L. für 1 Bogen. Auch hab ich ihn darüber
schon vor 5 Tagen aufgeklärt. — Willst du mir nicht den Gefallen
thun, mir die Titel der Herzogin von Oldenburg, Metternichs, ja
Steins [zu] schicken? Um an den mittlern zu schreiben, erwart’ ich
nur Graf Benzels Antwort, ob meine Pension, was unwahrschein- 391,10
lich, auf Baiern übergegangen. Stegemann wird mir gewiß
nützen; und mein Schwiegervater kann ja — da ich kein Geld
brauche, wol aber die Spazier — nur auf solche Art seiner Tochter
nützlich sein. — Wahrscheinlich hat Alexander (wie ich voraussah)
meinen Brief nicht gelesen. Diesen will ich (ohne Buch) auf eine 391,15
gewisse Weise an seine Schwester exzerpieren. Denn ihn ihr zum
Überschicken zu schicken, wäre zu grob. Ich werde die Nadel ver
flucht nahe ans Auge halten müßen, um einen so feinen Faden ins
feinste Loch zu fädeln, und werde oft vorbei stechen. Denn wie ist
nur dieß beizubringen, daß er den Brief entweder nicht gelesen oder391,20
nicht erhalten? — Pension muß ich haben, beim Henker, da ich
in 1 Vormittage (Korrigier- und Vorbereit-Zeiten eingerechnet)
nicht über 2 Quartseiten fertige 〈gahr koche〉. — Das Kanonikat,
das ich so gut wie in der Tasche oder im Knopfloch habe, wirkt
mir ja der Minister Schuckmann aus; und ich werde noch in diesem 391,25
Jahre mit meinem Bettelstabe bei ihm anklopfen.


Apropos! Kannst du mir nicht für Miedel die 2 Bogen aus den
Deutschen Blättern über Baireuth schicken, die ich ihm gelobt, ohne
bis jetzo den Verfasser zu entdecken [?].

Zitierhinweis

Von Jean Paul an Christian Otto. Bayreuth, 15. Juli 1814. In: Digitale Neuausgabe der Briefe von Jean Paul in der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), überarbeitet von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=VI_900


XML/TEI-Dokument

Textgrundlage
D: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 6. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1952. Briefnr.: 900. Seite(n): 390-391 (Brieftext) und 581 (Kommentar). Konkordanzen Druck-Digitale Edition

Kommentar (der gedruckten Ausgabe)
Siglen

H: ehem. Slg. Kippenberg Nr. 3133. Von fremder Hand datiert: Im August 1814. J: Wahrheit 8, 30× (Aug. 1814; der Schluß nicht her gehörig). 391,1 -Bogen] nachtr. d. h.] aus oder 12 ja] danach gestr. für mich nichts anders thun

Datiert nach dem vorigen. Herzogin von Oldenburg: Schwester des Zaren, s. Nr. 912. Spazier: vgl. 165,7—10†. Kanonikat: vgl. Nr. 486. Die Deutschen Blätter (vgl. Nr. 821 b†) Nr. 126 und 127 v. 3. und 5. Mai 1814 enthalten einen Artikel „Kriegsleiden des Fürsten thums Baireuth“, vermutlich von Otto.