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[ Bayreuth, 7. Sept. 1805 ]
54,19
Freilich das kahle Briefblatt — statt des beseelten Angesichts —,54,20
das einsame Wort — statt des sich wie zwischen 2 Spiegeln ewig
zurückwerfenden Gesprächs — dieß [?] ist ein Brief, aber für unsern
Abend kein Ersatz und kein Echo. Für mich waren seine Flügel eben
so schnell als bunt; und ich hole ihn mit Postpferden nicht eher [ein]
als bis ich in — Ihr Zimmer trete. Ihren Befehlen zu Folge gab54,25
ich Ihr Manuskript den Händen, aus denen Sie schon eine andere
Hand als Ihre empfangen haben. Das Manuskript hätte mich für
Sie interessiert, wenn Sie mich nicht schon für dasselbe interessiert
hätten. Indeß wünscht’ ich doch bei allen Reizen desselben, daß Sie
mehr Ihr mündlicher Historiograph und mehr der schriftliche Ro54,30
mantiker wären. Ihre Phantasie sollte die Flügel im weitesten Raume,
im freien Himmel aufschlagen und dahin fliegen, wo es andere
Sterne gibt als die — angenähten. Die Freunde bemerken, die
Feinde behalten Worte mehr als Handlungen; und die vielsinnige
That wird leichter von diesen vergeben als das eindeutige Wort. Ich54,35
würde also, statt mit jenem Alten zu sagen: rede, damit ich sehe —
zuweilen wünschen: schweige, damit ich dich sehe. Denn nach der55,1
schönen Erkennung einer reichen Seele durch ihr Sprechen gibt es
blos noch eine schönere — ihr Schweigen.

K: Paul Herzog v. Würtenberg 7 Sept. i: Wahrheit 7,51. 54 , 22 dieß] nachtr. 34 Handlungen] davor gestr. Thaten 55 , 2 ihr] davor gestr. Ihr

Textgrundlage:

134. An Herzog Paul von Württemberg. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 5. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1961.

Seite(n): 54-55 (Brieftext); 286 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Herzog von Württemberg Paul. Bayreuth, 7. September 1805. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=V_134 >


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