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Von Jean Paul an Herzog von Württemberg Paul. Bayreuth, 7. September 1805.

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[ Bayreuth, 7. Sept. 1805 ]

Freilich das kahle Briefblatt — statt des beseelten Angesichts —, das einsame Wort — statt des sich wie zwischen 2 Spiegeln ewig zurückwerfenden Gesprächs — dieß [?] ist ein Brief, aber für unsern Abend kein Ersatz und kein Echo. Für mich waren seine Flügel eben so schnell als bunt; und ich hole ihn mit Postpferden nicht eher [ein] als bis ich in — Ihr Zimmer trete. Ihren Befehlen zu Folge gab ich Ihr Manuskript den Händen, aus denen Sie schon eine andere Hand als Ihre empfangen haben. Das Manuskript hätte mich für Sie interessiert, wenn Sie mich nicht schon für dasselbe interessiert hätten. Indeß wünscht’ ich doch bei allen Reizen desselben, daß Sie mehr Ihr mündlicher Historiograph und mehr der schriftliche Ro mantiker wären. Ihre Phantasie sollte die Flügel im weitesten Raume, im freien Himmel aufschlagen und dahin fliegen, wo es andere Sterne gibt als die — angenähten. Die Freunde bemerken, die Feinde behalten Worte mehr als Handlungen; und die vielsinnige That wird leichter von diesen vergeben als das eindeutige Wort. Ich würde also, statt mit jenem Alten zu sagen: rede, damit ich sehe — zuweilen wünschen: schweige, damit ich dich sehe. Denn nach der schönen Erkennung einer reichen Seele durch ihr Sprechen gibt es blos noch eine schönere — ihr Schweigen.

Zitierhinweis

Von Jean Paul an Herzog von Württemberg Paul. Bayreuth, 7. September 1805. In: Digitale Neuausgabe der Briefe von Jean Paul in der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), überarbeitet von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=V_134


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Textgrundlage
D: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 5. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1961. Briefnr.: 135. Seite(n): 54-55 (Brieftext) und 286 (Kommentar). Konkordanzen Druck-Digitale Edition

Kommentar (der gedruckten Ausgabe) Siglen

K: Paul Herzog v. Würtenberg 7 Sept. i: Wahrheit 7,51. 54,22 dieß] nachtr. 34 Handlungen] davor gestr. Thaten 55,2 ihr] davor gestr. Ihr