Edition Briefe von Jean Paul Korrespondenz

Von Jean Paul an Minna Spazier. Bayreuth, Dezember 1806.

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[ Bayreuth, Dez. 1806 ]
119,18

1. Jeder Liebhaber ist schlecht, der sich auf Kosten des weiblichen
Rufs lieben läßt von der Geliebten; es gibt Opfer, die der eine an119,20
bieten, aber der andere (besonders der Mann) nie annehmen
darf.
2. Am Ende hat die neue gegen die Ehe predigende Klasse zuletzt,
nachdem das arme Wesen den Ruf unnütz geopfert hatte, doch
dasselbe geheirathet: zwei Schlegel, Göthe etc. 119,25
3. Ein Mädchen kann ihren Ruf opfern, nie eine Mutter von
Mädchen — deine schuldlosen Töchter tragen künftig alle
Folgen des verstimmten und verlornen Rufs; und es ist noch gut,
wenn sie mehr durch Ungerechtigkeit als durch Beispiel leiden.

Wünschest du ihnen dein Verhältnis? 119,30
4. Ein Mann ist schlecht, der seine Geliebte an den Ort führt,
wo eine frühere von ihm im Wochenbett liegt. Denke dir nur
ein solches Verhältnis im Roman geschildert und fühle voraus,
ob du es tragen und achten würdest!


5. Mahlmann schrieb es nicht. Der Schreiber ist edel, kräftig, 120,1
unparteiisch, sich nennend, sie verehrend, sogar Apels Genie an-
erkennend.
6. Sein Haß gegen die Ehe — wer liebt, wählt hier immer —
oder will sie das Schicksal seiner Verlassenen theilen? — Was wird 120,5
der Vater thun und leiden, wenn ein ähnlicher Brief an ihn
kommt wie an mich?
Zitierhinweis

Von Jean Paul an Minna Spazier. Bayreuth, Dezember 1806. In: Digitale Neuausgabe der Briefe von Jean Paul in der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), überarbeitet von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=V_287


XML/TEI-Dokument

Textgrundlage
D: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 5. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1961. Briefnr.: 288. Seite(n): 119-120 (Brieftext) und 314 (Kommentar). Konkordanzen Druck-Digitale Edition

Kommentar (der gedruckten Ausgabe)
Siglen

H: Berlin. *J: Euphorion 7,312f.× (ohne Angabe der Adressatin). Vollständig nach H gedruckt IV. Abt., V, Anhang Nr. 33.

Vgl. zu Nr. 284. Die lateinisch geschriebenen Stellen sollte Karoline wörtlich verwenden, das übrige nur dem Sinn nach. 119,25 zwei Schlegel: A. W. Schlegel wird hier zu Unrecht angeführt, da Caroline ja nicht ihm ihre Ehre geopfert hatte. 120,6 Vater: s. Nr. 291.