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Korrespondenz

Von Jean Paul an Karl Ludwig von Knebel. Bayreuth, 7. Juli 1807.

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[ Bayreuth, 7. Juli 1807 ]
155,8

Ihre witzige und lebenslustige Nichte will haben, daß ich sogleich
etwas schreibe, das Etwas möge immer dem Nichts so gleich sehen155,10
als Engl[and] den Volter[ra?] Ruin[en]. So haben Sie’s denn!
Fast bloße Wünsche — die politischen für gar nichts gerechnet —
hab’ ich (so jeder) zu schreiben, worunter der zuerst gehört, daß ich
über meinen Brief eine andere Stadt setzen dürfte — und daß ich
bei Ihnen oder (was doch auch zu ertragen wäre) Sie bei mir wären155,15
— und daß man in Tübingen vom Zensur-Amt in „Springbriefen“,
die man ins Morgenblatt gibt, nicht dümmer durch Ausstreichen
dargestellet würde (statt daß sonst Ausstreichen Autoren erst glän
zend anstreicht) — und daß der Teufel nicht der Kreis-Direktor der
deutschen Kreise wäre — und daß ich das noch wüßte, was ich Ihnen 155,20
neulich sagen wollte, und jetzt vergessen habe — und daß Sie und
Göthe nach dem Viel-Leben auch das Viel-Schreiben anfingen —
und daß ich bald ein Blättchen von meinem weniger alten als an
tiken Knebel und Freund bekäme — und daß ich doch wie andere
vernünftige Menschen ein vernünftiges Wort zu Ihnen sagte,155,25
Beispiels halber etwa dieß: Leben Sie wol —


Nun diesen einzigen Wunsch kann ich mir selber erfüllen: Leben
Sie wol!

Zitierhinweis

Von Jean Paul an Karl Ludwig von Knebel. Bayreuth, 7. Juli 1807. In: Digitale Neuausgabe der Briefe von Jean Paul in der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), überarbeitet von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=V_376


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Textgrundlage
D: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 5. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1961. Briefnr.: 377. Seite(n): 155 (Brieftext) und 328 (Kommentar). Konkordanzen Druck-Digitale Edition

Kommentar (der gedruckten Ausgabe)
Siglen

H: Berlin acc. ms. 1913. 32 (derzeit BJK). 4 S. 8°. *K: Knebel 7 Jul. i: Denkw. 3,143. Vollständig nach H gedruckt IV. Abt., V, Anhang Nr. 38. A: IV. Abt., V, Nr. 156. 155,15 zu ertragen] aus passabel H 16 in2] bei H 17 dümmer] aus dumm H 20 deutschen Kreise] aus Erde HK 25 M[enschen] aus L[eute] K

Fräulein Knebel schickte den Brief mit einem eigenen vom 10. Juli an ihren Onkel. H erwähnt noch Fischart; vgl. I. Abt., XI, 128f., XVII, 136,10f.