Edition Briefe von Jean Paul Korrespondenz

Von Jean Paul an Johann Friedrich Vieweg. Bayreuth, 20. November 1808.

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Bayreuth d. 20. Nov. 1808
247,20

Den 20ten August schrieb ich Ihnen, daß ich eine Fortsetzung der
Friedenspredigt ausarbeitete und daß ich über deren buchhändle-
rische Einkleidung — ob als Taschenbuch oder als Eingang zu
Fibel — noch schwankend wäre; und ich bat Sie, Ihr Urtheil auch
in die Wagschale zu legen.247,25

Ihr Schweigen zwingt mich zu zwei gleich unwahrscheinlichen
Wechsel-Voraussetzungen — nämlich daß entweder der Brief ver
loren gegangen oder daß Sie schweigen haben wollen. Letztere ist
freilich die unwahrscheinlichere. Ich schreibe also wieder mit der
festesten Rechnung auf Ihre schnelle Antwort.247,30

Das beinahe vollendete Werkchen enthält größere (lauter zeit
gemäße und zeittröstende) Abhandlungen (z. B. Vorschlag poli
tischer Trauerfeste, über Geldnoth, Vorschlag neuer Gesandt
schaften), welche sämmtlich eine alphabetisch-geordnete Reihe von248,1
Einfällen durchflicht.


Zu einem Taschenbuche ist die Zeit vorüber. Ich hänge also das
Werkchen vornen an Fibel an (unter gleichen kaufmännischen
Bedingungen), wenn Sie Ja sagen. Dieses oder das Nein müssen Sie248,5
aber zeitig sagen. Fibel, der Ihnen gehört, besteht zwar für sich
allein; gleichwol würde der Friedens Vortrab ihm viel Freunde
ersiegen und gewinnen.


Irgend ein Misverständnis waltet ob, aber nur eines, das ich
leicht mit Einem Worte löse.248,10

Leben Sie wol! Meinen achtenden und wünschenden Gruß an
den Erz-Deutschen mit dem lateinischen Namen!



Ihr
ergebenster
Jean Paul Fr. Richter
248,15
Zitierhinweis

Von Jean Paul an Johann Friedrich Vieweg. Bayreuth, 20. November 1808. In: Digitale Neuausgabe der Briefe von Jean Paul in der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), überarbeitet von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=V_599


XML/TEI-Dokument

Textgrundlage
D: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 5. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1961. Briefnr.: 600. Seite(n): 247-248 (Brieftext) und 370 (Kommentar). Konkordanzen Druck-Digitale Edition

Kommentar (der gedruckten Ausgabe)
Siglen

H: Vieweg-Archiv, Braunschweig. 3 S. 8°. Präsentat: R. d. 28 do. K: Vieweg 20 Nov. 247,26 Schweigen] danach gestr. darauf H 27 Wechsel-] nachtr. H 30 festesten] aus festen H 248,2 durchflicht] aus durchbricht H 7 Friedens Vortrab] stand erst in Anführungsstrichen H 33 ist keiner] aus gehört aber zu keinem H 34 die zweite Note steht am obern Rand der 3. Seite auf dem Kopfe H

Vgl. Nr. 556†. 248,12 Der Erz-Deutsche ist Campe, dessen Name aber nicht sicher von campus abzuleiten ist.