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[ Bayreuth, 14. März 1805 ]
29,13
Unter allen grausenden Aussichten ist mir zwar keine es so sehr —
wenn ich das schon überstandne Grausen ausnehme, daß Merkel 29,15
etc. neben mir saß — als die, daß ich etwas für ein Taschenbuch zu
schreiben habe, nicht bloß weil sich der gedachte wieder neben mir
(nur später) einsetzt sondern (ernstlich) weil ich leichter ein Buch als
einen Bogen mache — weil ich keine andere Begränzung unver
wundet ertrage als die innere — und weil es noch mehr Gründe29,20
gibt als diese Seite fäßt; aber weil Sie so wollen, so sei es so. —
Kleine Historiolen stehen außer meiner Gewalt, wie ich denn hier
sie schon falsch, nämlich mit einem Pleonasmus benenne. — den
(Spazier) das Schicksal sonderbar mit Abhängigkeit und Freiheit,
nämlich mit dem Wechselschein von beiden neckte — Sie sind glück29,25
licher als Mahlmann, Sie haben Kinder, er nur Kleider; eine
Wittwe mit Kindern ist eben nie eine ganze. C[aroline] kan[n] über
E[rnestine] keinen andern Schmerz haben als einen unsterblichen.
Aber er wohnt nur in ihrer Seele und nicht in ihrem Körper, den
der Wetterschlag zum Glück verschonte. [Daß Caroline, von der Sie29,30
etwas für den Vossischen Toilettenalmanach wünschen, ihre Feder,
die zum kühnsten Fluge Kraft besitzt, rühren möge, war tausendmal
auch mein Wunsch.] Aber der Wunsch eines Ehemanns hilft bei
einer Frau sogar auch dan[n] nicht, wenn er ihr schmeichelhaft ist.
Lieber ist C. eine Dichterin im Leben und wider das Leben als auf dem29,35
30,1
Papier und für das Leben. Meine Wünsche für sie möcht’ ich lieber
dem Himmel als Ihnen sagen.

K: Minna 14. — i: Wahrheit 7,23×. 29,16f. zu schreiben] mit Blei nachtr. 30–33 der eingeklammerte, in K fehlende Satz steht in i in eckigen Klammern mit der Fußnote: „Die eingeklammerte Stelle ist nicht von Richters Hand.“ Vielleicht ist er von Karoline aus dem Originalbrief oder aus dem Gedächtnis ergänzt; dem Sinne nach scheint er echt zu sein. 30 , 1 sie] vielleicht Sie
Vgl. FB Nr. 18. Minna hatte jetzt anscheinend um einen Beitrag zu dem von ihr herausgegebenen „Taschenbuch, der Liebe und Freundschaft gewidmet“ gebeten; Jean Paul sandte ihr später den im Juni 1805 geschrie benen Aufsatz „Meine Miszellen“, der aber erst im Jahrgang 1807 erschien. 29,15f. Merkel: vgl. Bd. III, Nr. 170, 93,22; Persönl. Nr. 53. 31 Toilettenalma nach: (Erstes — Viertes) Toiletten-Geschenk, Jahrbuch für Damen, Leipzig, bei Gg. Voß 1805—1808.

Erwähnungen im Kommentar:

Werke Jean Pauls
Werke

Textgrundlage:

83. An Minna Spazier in Leipzig. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 5. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1961.

Seite(n): 29-30 (Brieftext); 273-274 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Minna Spazier. Bayreuth, 14. März 1805. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=V_83 >


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