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Bayreuth d. 26 Apr. 1805
37,13
Mein lieber guter Thieriot!

Ich komme im Mai, wie Sie leicht errathen, nicht; vielleicht aber37,15
mit Emanuel. Was weiß man im Winter, wo man überall hin-
sinnt und hindenkt, vom Herbste voraus, wo manche schon ihre
Winterquartiere mit ihrem sogenannten Aeußern und Innern be
ziehen? — Schicken Sie mir aber künftig mehr Papier — jetzt kniken
und knausen Sie ansehnlich —, damit ich auch für meine übrige37,20
Korrespondenz das nöthige habe; so wie Sie ja mit den Federn
auch gethan. Sollten diese mehr kosten als das Papier: so müßt’
ich sie bezahlen.

In dieser Sekunde, wo ich die Zeile anfange, überfällt mich ein
sonderbarer Einfall, den Sie und Emanuel prüfen sollen: 37,25
Caroline
Da mein Mann gewöhnlich alles schnell und a vista begehrt und
mich gerade dadurch an der Schnelle hindert: so werden Sie ver
geben, daß ich nicht schreibe, sondern bloß Sie grüße.

Caroline
37,30

nämlich könnten Sie nicht Ende Mai’s hieher kommen, dem Könige 38,1
nach, um auf den zwei höchsten Bergen um Wonsiedel, die er sammt
Suite und Königinn besteigt, ihn mit einer wahren erhebenden Berg-
musik um so mehr zu überraschen, je weniger die verschriebenen
Nürnberger ihn überraschen werden? Durch Hardenberg könnt’ ich 38,5
alles so karten, daß Sie gewännen, nämlich — spielten.
Emma
Darf Emma den Frühling küssen? Der Frühling ist schon gut. Der
Spitz ist auch gut. Emma darf den Spitz beim Schwanz anfassen,
wenn der Vater dabei ist. Thieriot ist fort, er wird schon wieder38,10
kommen. Der Nachttopf hat nur Spaß demacht. — Kann man
den Mond essen? ich will ihm einen Kuß deben. — Emma ist dem
Thieriot gut. — Äää machen, Thieriot — Jetzt bin ich fertig.

Emma


Aus meiner Studierstube hab’ ich Ihnen keine Neuigkeiten zu38,15
senden; und um sie herum wohnen, wenn nicht Antiken, doch nur
Antiquitäten.
Max
Emma Emma — dädädädä — — uhr uhr — mama mama —
hmhm — uhhhr — ähhh38,20

Max


Obiges beweiset, wie früh Sie schon einen Nachahmer, sogar an
meinem eignen Sohne finden, so daß er Sie genug hier mag studieret
haben, als Sie sprachen und er schwieg. Aber welcher Unterschied
des Ur- und des Nach-Bildes! Wie will dieses alles stärker und drei38,25
fach geben, was jenes nur einfach sagt, und dieß kaum!

Ihre Hoffmann gewinnt und reitzt mich in jedem Briefe mehr. 39,1
Ich freue mich auf, wenigstens über sie. —

Nur mehr Papier!!

Richter

P. S. Im Mai komm’ ich wie gesagt nicht — — — — — — — Caroline
Da mein Mann gewöhnlich alles schnell und a vista begehrt und
mich gerade dadurch an der Schnelle hindert: so werden Sie ver
geben, daß ich nicht schreibe, sondern bloß Sie grüße.

Caroline
37,30
Emma
Darf Emma den Frühling küssen? Der Frühling ist schon gut. Der
Spitz ist auch gut. Emma darf den Spitz beim Schwanz anfassen,
wenn der Vater dabei ist. Thieriot ist fort, er wird schon wieder38,10
kommen. Der Nachttopf hat nur Spaß demacht. — Kann man
den Mond essen? ich will ihm einen Kuß deben. — Emma ist dem
Thieriot gut. — Äää machen, Thieriot — Jetzt bin ich fertig.

Emma
Max
Emma Emma — dädädädä — — uhr uhr — mama mama —
hmhm — uhhhr — ähhh38,20

Max

K: Thieriot 26 Apr. * J: Denkw. 1,462. 38 , 6 spielten und gewännen K 13 Äää machen, Thieriot —] so K, fehlt J
Nach J war der Brief geschrieben „auf ein vom Empfänger ihm zuvor gesandtes weißes Blatt, mit — hier durch durchschossene Schrift bezeichneten — einzelnen Zeilen und Worten von Jenes Hand“; vgl. 37,7f. In unserm Druck sind die von Thieriot geschriebenen Worte Petit gesetzt; doch ist in J nicht ganz deutlich, welche Worte als „durchschossen“ zu gelten haben. Die angeblich von Karoline und den Kindern herrührenden Zeilen sind gleichfalls von Jean Pauls Hand. — Emanuel rät in einem Brief vom 1.—3. Mai 1805 Thieriot von der Teilnahme an den Wunsiedler Festtagen ab; Richter habe auf seinen Vorschlag die Antwort erhalten, es sei kein Geld da, um Thieriot zu bezahlen.

Textgrundlage:

*99. An Thieriot in Offenbach. In: Jean Pauls Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe. Dritte Abteilung, Band 5. Hrsg. v. Eduard Berend. Berlin: Akademieverlag, 1961.

Seite(n): 37-39 (Brieftext); 278 (Kommentar).
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Zitierempfehlung:

An Paul Emile Thieriot. Bayreuth, 26. April 1805. In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. In der Fassung der von Eduard Berend herausgegebenen 3. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe (1952-1964), im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften überarbeitet und herausgegeben von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018).
< http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=V_99 >


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