Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Johann Siegfried Wilhelm Mayer an Caroline Richter. Berlin, 27. Oktober 1818, Dienstag

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Meine liebe Caroline!

Wir sind hier zwar noch nicht gantz mit der Arrangirung im neuen Quartiere (welches einen Theil der ehemaligen Blumen fabrique an der Gertraudten Brüke , deren local jetzt einem Brandwein Brenner Claude gehört, befaßet) fertig, aber doch grösten Theils, u ich will nicht länger anstehen, Dir auf Deinen letzten lieben Brief , etwas umständlicher zu antworten.

Das Hauptthema betraf mein Befinden; und diß ist zwar innerlich sehr gut; allein äußerlich wird es bey zunehmender Kälte immer schlimmer, sodaß ich auf dem Stein Pflaster nicht ohne Hülfe fortkann. Gleichwohl ist fortgesetzte Bewegung, in freyer Luft ein unentbehrliches Stärkungs Mittel, u wenn ich auch die dadurch veranlaßten Kosten nicht scheue, so ist doch meine Abhängigkeit von fremder Hülfe mit einem drükenden Gefühl verbunden, welches die mir sonst eigne energie des Gemüths in eben dem Grade lähmt, als die Kraftlosigkeit meines Cörpers. ich werde daher auch im künftigen Jahre ein Bad von brauchbarer Stärke zu Hülfe nehmen müßen, um wo möglich wieder hergestellt zu werden; so weit es bey meinem Eintritt in das 72te Jahr möglich ist.

|2 Das zweyte thema betraf Dein Vorwort für Minona , falst Sie Sich behufs ihrer Selbstständigkeit, der Malerey widmen sollte. Allein als Gewerbe kann ich diß doch nicht billigen; und werde es bloß als Geschmaks-Sache unterstützen. Diß habe ich ihr auch geschrieben, u erwarte darauf noch ihre Antwort.

Noch wünschte ich zu wißen, wie es mit dem Stipendien Gesuch Deines Mannes in Dessau stehet?

Antworte mir hierauf; u sage mir, was ich dazu noch thun kann?

Daß der Justitz Rath Fellisch in Frankfurth todt, u seine Frau nebst 6. Kindern, worunter doch 2. Stief Kinder sind, in elenden Umständen zurükgeblieben ist, gehört zu den neuen Unfällen in der Familie, wovon Du bisher wohl kaum den ersten gewust haben wirst. Traurig, daß diß bey meinem hohen Alter zutraff, wo ich keine Außicht mehr habe, meine Finantzen so zu verbeßern, daß ich auch hier die so benötigte Unterstützung leisten könnte.

Übrigens gibt es hier Personen, welche glauben, Dein Mann werde nach Bonn gehen. Melde mir doch ob etwas daran ist? und grüße Deinen Mann u Kinder. Meine Frau grüßt ebenfalst.

Dein treuer Vater

Mayer

B. 27. 8.ber 18.

|3 Die Tante Mertzdorff hat so viel gewonnen, daß sie ohne Krüke in ihrer Stube, bloß auf einen Stab gelehnet, gehen kan. Da sie hoch wohnt, u eine steile Treppe zu ihr führt, so sehe ich sie selten. Auch wohne ich in größerer Entfernung von ihr; doch hören wir nicht auf, Antheil an ihr zu nehmen.

Zitierhinweis

Von Johann Siegfried Wilhelm Mayer an Caroline Richter. Berlin, 27. Oktober 1818, Dienstag In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0040


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Textgrundlage

H: BJK, Berlin A
1 Dbl. 8°, 2 ¼ S.


Korrespondenz

B: Von Caroline Richter an Johan Siegfried Wilhelm Mayer. Bayreuth, 24. September 1818, Donnerstag