Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Johann Siegfried Wilhelm und Henriette Mayer an Caroline Richter. Berlin, 28. und 29. April 1815, Freitag und Sonnabend

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Berlin d. 28./29. April 15.

Meine geliebte Caroline!

ich weiß nicht ob Du die vorläufige Anzeige vom Eingange Deines Briefes vom 9. April schon aus den Händen eines Reisenden erhalten hast.

Jetzt melde ich ihn Dir, u habe die Nachricht von Deiner Gesundheit nur etwas contrastirend mit der an meine Frau gefunden. ich widerhole also nur meine Bitte, Dir nicht zu viel zu bieten, da die längern Entzündungen hier sehr häufig sind. Auch Minna ist daran noch jetzt krank, doch außer Gefahr. Gerade solche feurige Menschen wie Du sind der Gefahr am meisten ausgesetzt.

Dein Plan für Minona ist gut, indem von keiner Laden Nymphe die Rede ist. Schwerlich aber wird sich Minna von ihr trennen, wenigstens so lange nicht, als Julius mit ihr nicht unter einem Dache leben kann.

Dieser vortrefliche Junge hat übrigens seit 8. Tagen sein |2 erstes examen sehr glücklich bestanden, u ist durch ein sehr günstiges Zeugniß zum Conducteur im Feld Meßen fähig erklärt worden.

Da er aber das Bau Fach gewählt hat, so wird er sich auf das Verhältniß eines Conducteur im Feld Meßen nicht einschränken, sondern dieses Früh Jahr, wahrscheinlich in der Provintz, das Bau Fach unter Leitung eines geübten Bau Officienten practisch treiben. P.S. Schon heute Mittag gehet er auf Ein Halb Jahr von hier ab; und zwar nach Zehdarnitz nahe an Strelitz .

Nach allem was ich über Bayreuth höre, glaube ich auch, daß Nürnberg der Minna mehr zusagen würde, und überlaße diß dem Schiksal.

Die Tante Mertzdorff neigt sich, sie ist über 70 Jahr, ihrem Ende. ich suche, so viel ich kann, Blumen auf ihren noch übrigen Weg zu streuen. Sie hat sich nur selbst durch ihren Isolirungs Trieb von allem unmittelbaren Beystande entfernt, selbst von dem der Sommern , so daß sie mir von diser Seite Kummer macht.

Doch wo wäre auch nur ein rein heiterer Blick für mich, als in meinem resignations Vermögen? und in Deinem Hertz. Meine Frau grüßt Dich hertzlich.

Grüße Deinen Mann, auch gelegentlich die Lentzens , und küße Deine Kinder.

Dein

treuer Vater
Mayer

|3 Tausend Dank für Ihren freundlichen liebevollen Brief, liebste Caroline; Da Sie mir nicht bestimmt sagen, daß derselbe Maler der Ihr Bild angefangen noch in Baireuth ist, so bin ich unentschloßen, ob ich es Ihnen zurückschicken werde; denn ich kann mir die Möglichkeit denken daß wenn es ein anderer beendet ich weniger mit zufrieden sein könnte als jetzt, so unvollständig es auch wirklich ist. Ihre idée wegen Minona finde ich sehr paßend, da die Kleine geschickt ist und Geschmack in weiblichen Arbeiten zeigt; und wie wohlthätig würde ihr Ihre Nähe sein! thun Sie doch ja Ihr Möglichstes um diesen Plan in Ausführung zu bringen. Empfehlen Sie mich Ihrem Mann und behalten in guten Andenken

Ihre Sie herzlich liebende
Freundin H. Mayer

Zitierhinweis

Von Johann Siegfried Wilhelm und Henriette Mayer an Caroline Richter. Berlin, 28. und 29. April 1815, Freitag und Sonnabend In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0103


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Textgrundlage

H: BJK, Berlin A
1 Dbl. 8°, 2 S. von Johann Siegfried Wilhelm Mayer, 1. S. von Henriette Mayer.