Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Johann Siegfried Wilhelm Mayer an Caroline Richter. Berlin, 21. Januar 1815, Sonnabend

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Berlin d. 21. Jan. 15.

Meine liebe Caroline!

Deine beyden Briefe vom 26.X.ber u 2. Jan. habe ich richtig erhalten, auch auf den letzteren noch gestern, wo ich ihn erhielt, selbst die Visite bey Herrn u M me Lentz gemacht, u auch letztere persönlich kennen lernen. Da es sich übrigens trift, daß sie mit ihrem Mann in diesen Tagen nach der Uckermark reiset, u daß meine Frau an einem schlimmen Finger u dabey Fluß-Fieber, krank ist, so ist die nähere Bekanntschaft bis zur Rückkunft der Familie Lentz ausgesetzt worden, wovon uns M me L. gleich benachrichtigen will. Es ist eine angenehme Frau, die auch meiner Frau gewiß gefallen wird; u für ihre musicalische Unterhaltung werde die Burnats mit ihr einladen, wovon die älteste Tochter eine sehr angenehme Stimme hat.

|2 In Beziehung auf Dich danke ich für das überschickte Museum , deßen existentz ich schon kannte, es aber nun auch lesen werde.

In Bezug auf Deinen früheren Brief spreche ich Dich von dem, wohl mehr im bekümmerten, als beschwerenden Ton, gemachten Vorwurf über Dein Stillschweigen, frey, da es allerdings Schuld des Herrn Ernest ist, daß er sich mit Deinem Briefe, selbst unbekümmert um mich, in Berlin eine Weile herumgetrieben hat. Denn erst bey einem durch Schweitzer Verbindungen bey meiner Frau abgelegten Besuch, erfuhr er, daß er in meinem Hause sey, u ließ so den Brief zurük. ich nehme daher auch weiter keine Notitz von ihm.

Sey also versichert, daß ich von Deiner kindlichen Theilnahme an allem was mich betrift, die innigste Überzeugung habe, u nie aufgeben werde.

|3 Nun noch ein paar Worte über ein Geschäft. Minna hatte sich biß zu ihrer Abreise nach Strelitz so in Schulden gesezt , daß sie ihr Richtersches Capital , wie sauer Bier ausbot.

Es verblieb ihr aber, weil Herr Richter auf eine schmutzige Weise von ihrer Verlegenheit profitiren wollte.

Sie mußte indeßen Rath schaffen, u darüber kam es zur gerichtlichen Kündigung des Richterschen Capitals, wobey ich ihr für die Zwischen Zeit Credit schaffte.

Über die Kündigung hat ein zweyjähriger Prozeß geschwebt; der sich mit der Verurtheilung des Herrn Richter , u mit exentrischer Beytreibung seiner Schuld beendigt hat; u zwar so, daß Minna ihr Capital bis auf einen unbedeutenden Verlust einiger Pro Cent, in Pfand Briefen bezahlt erhalten, u nach Abzug der unmitteltst auf Höhe von 400 rth Gold contrahirten Schulden, noch ein Capital von 600 rth Gold übrig hat.

|4 Über diesen Erfolg ist nun Herr Richter wie wüthend; u läßt sich jetzt einfallen, mir die Dir am 1. January schuldig gewordenen Quartal Zinsen Deines Capitals nicht zahlen zu wollen; weil ich keine Vollmacht zu deren Erhebung hätte; so daß er meynt er wolle Dir die Zinsen unmittelbar schicken; wie Du aus dem anliegenden billet sehen wirst, welches ich mir zurükerbitte.

Nun kann er allerdings Vollmacht von Dir, unter Beytritt Deines Mannes, fordern, u zwar selbst gerichtlich attestirte; und ich bin auch gern bereit eine solche Vollmacht anzunehmen, damit ich ferner die Wittwen Cassen Beyträge allhier, für Dich bezahlen kann; u damit ich Dich mit seinen unmittelbar zu leistenden Zahlungen nicht in Verlegenheit setze. Allein wenn denn doch einmal die Kosten einer gerichtlichen Vollmacht statt finden sollen, so rathe ich solche zugleich so einzurichten, daß auf den Grund |5 derselben zugleich, nach abgelaufener Indult Zeit das Capital, im Nothfall gekündigt werden kann; die Vollmacht würde also dafür zu faßen seyn:

Daß ich autorisirt würde, so wie es bis zum 31. X.ber 14. geschehen, auch ferner noch die Zinsen Deines auf dem Richterschen Hause stehenden Capital Antheils zu erheben; zugleich aber auch nach Ablauf der Indult Zeit das Capital zu Deiner u Deines Mannes unmittelbarer Erhebung, in der Obligation mäßigen Frist zu kündigen, wenn die Umstände es erfordern sollten. Zeige nun diß Deinem Mann, und antworte mir, ob Du die Zinsen von Herrn Richter unmittelbar empfangen willst, oder besorge mir die wenigstens zur Zinß Erhebung erforderliche gerichtlich attestirte Vollmacht.

Grüße Deinen Mann, u küße Deine Kinder

Dein
treuer Vater
Mayer

Meine Frau grüßt hertzlich
Zitierhinweis

Von Johann Siegfried Wilhelm Mayer an Caroline Richter. Berlin, 21. Januar 1815, Sonnabend In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0160


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Textgrundlage

H: BJK, Berlin A
2 Dbl. 8°, 5 S.