Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Odilie Richter an Caroline Richter. Würzburg, 21. November 1822, Donnerstag

Darstellung und Funktionen des "Kritischen und kommentierten Textes" sind für Medium- und Large-Screen-Endgeräte optimiert. Auf Small-Screen-Devices (z.B. Smartphones) empfehlen wir auf den "Lesetext" umzuschalten.



|1
Würzburg den
21ten November
1822

Geliebte Mutter!

Habe herzlichen Dank für Deinen lieben Brief , er machte mir, wie immer, die größte Freude. Meine Backe ist schlimmer geworden als ich dachte. Es ist eine ganze große Beule, die steinhart war und worüber ich immer Uberschläge machen mußte; ich durfte mich daher weder spannen noch manipuliren lassen. Das ist mir das allerärgerlichste. Da es immer schlimmer wurde, so ließ Auguste den Düruf kommen und jetzt geht es um vieles besser. Es ist jetzt offen und darf nur noch abgewartet werden; doch darf ich mich noch nicht einspannen. Auguste meinte nun, da ich dadurch so viel versäume, solltest Du mich lieber noch acht Tage später abholen. Rückwärts werde ich dadurch nicht gekommen, allein es ist doch besser als das Versäumte nachzuholen. Wenn Ihr es auch für besser findet, so will ich auch gerne noch |2 [...] so eine kurze Zeit entbehren, was ich so lange nicht hatte. Um desto größer ist die Freude. Ich möchte gerne recht zu Eurer Zufriedenheit zurückkehren, und wenn ich dann immer bei Euch geliebten Ältern sein kann, so kann ich mir [...] kein glücklicheres Dasein vorstellen. Die neue Einrichtung die gemacht wird hat mich ganz entzückt. So schön hätte ich es mir nie vorstellen können . Gerade jetzt, wo mir die Freude immer näher liegt, vergeht die Zeit so [...] langsam.

Ich helfe jetzt der Auguste am Puppenputzen für Weihnachten. Das Weihnachtsfest wird hier recht schön sein, da so viele bescheert bekommen. Es sind eine menge Kinder hier, deren Bescheeren besonders viel Freude macht. Das erstemal in meinem Leben muß ich es ohne Euch feiern aber gewiß auch das letztemal.

|3 Hr. Heine zögert noch immer mit meinem Bett. Täglich bitte und erinnere ich ihm daran und jedesmal verspricht er es auf den [...] nächsten Tag und doch dauert es so lange. Ich weiß gar kein Mittel mehr es zu [...] erlangen. Da er noch so eine lange Zeit vor Augen sieht, [...] glaubt er keinen Grund zu haben, das Fortschicken zu beschleunigen. Das Papier habe ich gekauft. Das Mädchen aus Ulm will aber, wenn es der liebe Vater wünscht, dasselbe wieder von daher kommen lassen. Ich kann es dann selbst mit nach Hause bringen.

Auguste läßt Euch herzlich grüßen.

Gestern besuchte mich die Fr. v. Düruf die Dich auch aufs innigste grüßen läßt. an Ottos, Emanuels, Weldens, Helene , Mathilde, tausend Grüße von mir. Meinem lieben guten Vater und meiner Sübse gebe ich tausend Küsse. Möchte Gott Euch Alle recht gesund und vergnügt erhalten, bis zur Wiederkehr Eurer treuen

Odilie

|4 Der Maler Menna frug mich neulich, ob Du noch nichts von seinem Sohn geschrieben hättest, ich sollte Dich doch daran erinnern, liebes Mütterchen.

Zitierhinweis

Von Odilie Richter an Caroline Richter. Würzburg, 21. November 1822, Donnerstag In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0190


XML/TEI-Dokument