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Korrespondenz

Von Caroline Richter an Max Richter. Bayreuth, um den 20. Februar 1821

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Geliebter Max! Wie lange wollte ich Dir schreiben allein immer kamen Störungen dazwischen – und wie viel Vorwürfe machte ich mir schon darüber! obwohl anders zu thun nicht in meiner Gewalt war. Doch ist es recht und schön, daß Du Dich dadurch nicht abhalten ließest uns Nachricht zu geben. Wir können dem Allmächtigen nicht genug für die Erhaltung Deiner Gesundheit danken, da dieser böse Winter überall seine Gifte ausgesäet hat. Dazu das für die Brust gefährliche Klima Heidelbergs! Bewahre Dir ja dieses große Gut so viel an Dir liegt, denn nur erst wenn man es entbehrt hat, weiß man es gehörig zu schätzen – nur um der Freiheit allein die sie nur zu unsrer Thätigkeit für uns und Andere gewährt: – wie ohnmächtig ist der Mensch, ohne Gesundheit! Der gute Vater litt viel in diesem Winter. Nicht daß er bettlägerig gewesen wäre, allein, eine fortwährende Anwandlung seines Lungenkrampfs im Monat. Dez., und nach dem Neujahr Schwindel im Kopf, – Wir hatten keine Gewisheit von einem Tag zum andern, dazu kam daß ihm die gehörige Heiterkeit zum Arbeiten fehlte, welches die Grundlage seiner ganzen Glückseeligkeit ist. Meine Gefühle hiebei kannst Du Dir denken. Doch sind jetzt die beiden ängstlichsten Zustände vorüber – der Vater wieder ganz heiter, nur ein wenig Zahnweh zeigt sich oft – und ich rechne alles auf den wiederkehrenden Frühling und eine rechte Erholung durch Reise, die ich diesmal selber herbeiwünsche.Auch mich und die Schwestern packte |2 es hier und da an; allein wie gering waren diese Unannehmlichkeiten, gegen das Höchste und Liebste gerechnet, was wir besitzen, und gegen andrer Familien-Leiden . Als der Vater den Brief des ehrwürdigen Consistorialrath Schwartz bekam, war ich außer mir vor Rührung und Freude, weil der treffliche Mann uns die schönsten Zeugnisse über Dich schrieb die je ein Seele gedacht ausgesprochen hat. Danke Ihm auch von mir für den herrlichen wohlthuenden Brief, worin Er auch meiner zu gütig gedacht – dasselbe widerholte mir auch neulich seine Freundinn, Fr. v Ende die Dich so sehr liebt.

Mein guter Max, da ich mich im Schreiben an Dich wegen des Papiers ein wenig beschränken muß, so gehe ich gleich zu den als Mutter mir obliegenden Gegenstand Deiner Bedürfnisse über. Wärest Du doch darüber in Deinen Briefen etwas weitläuftiger und offener. Du weißt daß zu Ostern Luise Welden hieher kömmt also natürlich ein dorthin gehender Wagen unsere Verbindung erleichtert. Überlege Dir von jetzt an, was Du vom Hause bedürftig sein könntest und sage es mir recht vertrauensvoll. Es mag seyn was es will. Ich werde glücklich sein, Dir etwas besorgen zu können, und Du darfst ohne Auswahl und Ekel mir alles nennen. Es erleichtert Dir vielleicht dort eine Ausgabe und ist vielleicht auch hier nicht so kostbar als dort. – – – Wie freue ich mich auf Deine Wanderungen in den Rheingegenden in den Ferien. General Krausenek v. Baireuth Müffling Jung Thieriot besuche ja in Mainz. Der lieben Rosalie von Sternberg, danke für ihr Andenken – besuche auch den Minister von Reizenstein. Mit der lieben Welden steigt nur immer noch die Herzlichkeit. Gottes Seegen über Dich - innig drücke ich Dich an die Brust. behalte lieb Deine Mutter. Caroli ne

Herzliche Grüße von Odilie.

Zitierhinweis

Von Caroline Richter an Max Richter. Bayreuth, um den 20. Februar 1821. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB0210


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Textgrundlage

H: BJK, Berlin A
1 Bl. 8°, 2 S.


Korrespondenz

A: Von Max Richter an Caroline Richter. Heidelberg, 6. oder 7. März 1821

Zur Datierung: Das Datum ergibt sich aus dem Brief von Jean Paul an Max vom 20. und 21. Februar 1821, in dem auch von Zahnweh und Weinvergiftung die Rede ist sowie dem nicht erhaltenen Brief von Friedrich Heinrich Christian Schwarz (4. Abt., Bd. VIII, Nr. 19, Fehlbrief) , den Jean Paul auch in seinem Brief an Max erwähnt.