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Von Caroline Richter an Emma Richter. Bayreuth, 9. März 1820, Donnerstag

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Freitag den 9 ten
März

Deinen Brief , gute Emma, erhielten wir gestern, und er wurde mit Begierde erbrochen, weil wir sehr, sehr sehnlichst Nachricht von Dir wünschten. Wie freue ich mich, daß Du Dein Glück so ganz empfindest, und daß die herrlichen Frauen Dich gern länger bei Sich sehen wollen – mir war des Gegentheils bange, nun bin ich ganz beruhigt, und Du darfst bis Ende der andern Woche bei Ihnen bleiben. Dann aber fühlst Du selbst, daß Du zu Vaters Geburtstag nicht fehlen darfst. Bis Donnerstag oder Freitag gebe ich Dir Frist, das ist das Äußerste, und ich überlasse es Dir, Dich von Hof aus, oder sonst in der Gegend nach einer guten Gelegenheit umzusehen da Du alsdann Deine Gesellschaft nach Anstand wählen kannst – oder der |2 immer hin und herfahrende Lohnkutscher Schatz, erhält von hier aus den Auftrag Dich mitzunehmen. Nur ist mir für die Gesellschaft bange. Wenn doch der gute Fritz Reizenstein, dem Du für die persönliche Hinschaffung Deines grauen Kleides nicht genug danken kannst mit Dir zurückfahren möchte! Ist es auch einige Tage früher, so kürze lieber Deine Freude ab.

Berede nur die herrlichen Frauen zur Herreise im Frühling oder Sommer. Ich würde seelig sein, und Viele würden sich unendlich freuen. Grüße sie mit aller der Ehrfurcht, die ihr Werth dem Guten einflößen muß.

Der Vater litt wieder ein wenig am Fuß – ein neues Blutgeschwür hatte sich angesetzt. Gestern war wied wir wieder |3 zu einem einsamen aber um so intereßantern Abend bei Weldens. mit der Gr. Schönburg und Düben, und Strauß . mein Interesse für Letztere ist noch immer dasselbe, und wird von der armen Schuckmann Achtung f Anhänglichkeit für sie noch mehr angefacht. Eine entschiedene schöne Eigenschaft ist bei ihr der Mangel an jeglicher Art von Koketterie.

Amöne verfolgt mich mit Freundschaftsbezeigungen – sie läßt Dich sehr grüßen Emma Spatzier hat mein Lieblingslied geschickt , es ist zwar sehr einfach, aber mich zieht es an. Doch ich schicke Dir Alles. –

Schreibe ja an Luise Welden. Du betrachtest sie aus dem wichtigsten Gesichstpunkt – Du kannst nichts Edleres finden als sie. Hatte ich über Marie nicht immer Recht?

Odilie ist mit ihrer Weste bald fertig. – Sie ist außerordentlich geschmackvoll und wird dem Vater sehr viel Vergnügen machen. Ich habe bis dahin noch Mollento ’s Unterricht aufgeschoben, da diese anhaltende Arbeit den Lerneifer unterbrochen hätte.

Max hat noch immer nicht geschrieben ob er das Packet erhalten hat oder nicht – doch hoffen wir morgen auf Nachricht. Ich wurde durch seinen letzten Brief sehr angegriffen – er ist jetzt auf einen Punkt der GefühlsReife, den ich immer mit Sehnsucht bei ihm erwartet habe. Der Himmel wird ihn segnen. – –

Lebe wohl gute liebe Emma! schreibe noch einmal, und gleich. Alles liebt Dich und frägt nach Dir. Verdiene das allgemeine Wohlwollen durch festes Streben nach dem Besseren.

Ich wünsche nicht daß Du meine flüchtigen Worte mitteilst

Gott segne mein Kind!

Zitierhinweis

Von Caroline Richter an Emma Richter. Bayreuth, 9. März 1820, Donnerstag. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB0237


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Textgrundlage

H: SBM Monacensia, Richter, Karoline A I/8
1 Dbl. 8°, 4 S.


Korrespondenz

B: Von Emma Richter an Odilie und Caroline Richter. Konradsreuth, zwischen 1. und 8. März 1820