Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Caroline Richter an Odilie Richter. Würzburg, nach dem 25. Oktober und vor dem 1. November 1822

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Sei recht froh, mein geliebtes Kind, daß die Mutter wieder in Ruhe und Ordnung kommt. Dieser Gedanke muß Dich entschädigen wenn unsre Trennung Dich wehmütig stimmt. Da ich nun hier nichts weiter zu Deinem Glücke beitragen kann, so würde ich bei längrem Aufenthalt, unzufrieden mit mir selbst geworden sein, indem ich unnütz meine Zeit verbracht hätte. Also sei froh, auch über den Vater daß er nun nicht mehr allein ist. Wie bald wird die Zeit vergehen die uns trennt um dann immer beisammen zu bleiben. Der Gedanke daß Du uns, die wir Dich über Alles lieben, so gesund und schön erscheinen wirst, als wir es für einem so geliebten Wesen wünschen, ermuntre Dich nur immer die kleinen Regeln zu befolgen die ich Dir gebe.

Schone Deine Augen und lasse Dich nicht zu fest einspannen und pressen. Sticke nicht ich bitte Dich innig darum.

Gib recht auf Dich Acht, nicht an die Stirn zu greifen, denn es ist gewis, daß man sich einen immerwährenden Ausschlag dadurch zuziehen kann, der so unangenehm und widerlich entstellt.

|2 Denke immer daß Du durch gerade halten auch in den Augenblicken wo Du die Kopfstange nicht anhaben festmachen kannst das Vermehren eines dicken Halses verhindern kannst. Da Du dir ohnehin so vielen Zwang gefallen lassen mußt, so ist es ein Leichtes auch diesen hinzuzufügen.

Ziehe jeden Abend Dein wollen Kamisol an, ich bitte Dich herzlich.

Wenn Du irgend Neigung und Lust hast so lasse Dir Caffee mit den jungen Mädchen holen, oder ein Küchelchen wie der Apfelkuchen war, das kann mich nur freuen. Ach mit wie schwerem Herzen werde ich an Dich denken, wenn ich zu Hause bin, daß ich Dir kein Vergnügen nun machen kann.

Wenn der Freischütz gegeben wird, gehe hinein.

Pflege ja Dein Ohr, geliebte beste Seele und laße nur einige Tage, den Druck des Kopfkranzes nicht astark sein.

|3 Ich lasse Dir noch 2 Kronthaler hier, im Ganzen 4, denn ich würde Dir ohnehin Geld schicken. Den Louis d’or wollen wir zu der Bezahlung für die Gräf. Henkel verwenden, welches ich Dir noch schreiben werde.

Gott beschütze Dich, und erhalte Dich gesund, mein theures Leben – die geringste Krankheit schreibst Du mir gleich. Den Krankheitsbericht des Vaters und Fenks Urtheil schicke mir gleich mit der Post. Lebe wohl, sei heiter, ich werde schon recht gut nach Hause kommen.

Dies Bücherverzeichnis gib an Jettchen Pagenstecher.

Grüße und danke Herrn Heine und Auguste recht innig.

|4 Die Wäscherin hat

  • 2 Camisäler
  • 1 Unterrock
  • 2 Hemden
  • 3 p. Strümpfe und das alte baumwollne
  • Halstuch

Schicke ihr noch heute die 2 Schnupftücher, die in der Comode liegen.

Noch lasse ich Dir 2 Kronthaler. Wenn ich Dir etwa schreiben sollte, daß Du zu der Putzmacherin Hofmann gehen sollst, und mir 4 Ellen von den Blonden die ich gesehen, kaufen sollst, Sie bietet sie, um 1 fl. 30 xr und hat sie mir zu 1 fl. 15. gelassen aber warte damit bis Dir wieder schreibe. Du hast also in allem 6 Kronthaler..

Adieu, Adieu, mein gutes Leben.
EGeliebtes gutes Engelskind!

Zitierhinweis

Von Caroline Richter an Odilie Richter. Würzburg, nach dem 25. Oktober und vor dem 1. November 1822 In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0241


XML/TEI-Dokument

Textgrundlage

H: BJK, Berlin A
1 Dbl. 8°, 4 S.


Korrespondenz

Zur Datierung: Abgefasst und hinterlegt am Tag von Caroline Richters Abreise aus Würzburg. Da sie am 25. Oktober 1822 einen Brief an Emma aus Würzburg schrieb, und am 1. November 1822 an Odilie aus Bayreuth, muss der Zeitpunkt der Abfassung zwischen diesen Daten liegen.