Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Antonie von Mützschefahl an Emanuel. Meinigen, 14. September 1810, Freitag

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Meiningen den 14ten Septem
1810

Lieber Emanuel!

Unsere gute Henriette reiste den 13 August, völlig wiederhergestellt mit Amanden von hier ab , blieb gesund während der ganzen Reise und langte den 1ten September wohlbehalten in Küstrin an. Vorgestern als den 12ten erhielten wir die ersten Na sicheren Nachrichten von ihr selbst, und wir erlebten bis dahin 17 sorgenvolle Tage. Die Unordnung des Postenlaufs vermochte uns nicht zu beruhigen, und Ich schrieb Ihnen, lieber Emanuel nicht, weil ich, Sie lieber, an meiner Bereitwilligkeit Ihren Wünschen zu begegnen, als an Jettchens Wohlbefinden wollte zweifeln lassen.

Ein sonderbares Zusammentreffen von Umständen, ließ Schwester Jettchen Amandens Vater in Leipzig verfehlen. (bis dahin wollte er ihr nehmlich nach seinem letzten Schreiben entgegenkommen). Henriette ward genöthigt ihm nachzureisen, sie trafen den 1ten September in Küstrin zusammen, wo der Graf, die gute Henriette bei Amanden auf seinem Landgute Schönfeld (eine Tagereise von Küstrin ohnfern Landsberg) einzuführen, er will sie sodann nach Züllichau zu dem Sohne Leopold mit Amanden begleiten. Den 12ten gedachte Jettchen wieder in Leipzig einzutreffen. Gestern in Naumburg wo sie wahrscheinlich bey ihrer Freundin Naubert einige Tage ruhen wird dann geht sie nach Weimar und detachirt , während ihres dortigen Auffenthalts, den treuen Zierlein |2 der uns die ersten mündlichen Nachrichten von der Reise bringt, u die männliche Obhut des Hauses übernimt wodurch Schwendler frey wird und zur Abhohlung seiner Frau nach Weimar reiset. Die Schwestern meines Schwagers und ich hüten nach unserer Weise Haus und Kinder. Bis jetzt isthat noch ein kein Unglük unsern Muth erprobt auch keine Krankheit der lieben Anvertrauten unsere besondere Pflege in Anspruch genommen Gott gebe nur ferner seinen Segen damit die Mutter alles finde wie sie es verlassen hat.

Von Ihren hiesigen Bekannten ist alles wohl und gesund und erwiedert Ihr freundschaftliches Andenken. Auch mich hielt nicht Krankheit ab die Schwester und Nichte zu begleiten, Es ging außerdem nicht wohl an und ich blieb gern zu Hause, da die Reise nicht über Baireuth gehen konnte.

Sie thun mir zuviel Ehre an wenn Sie glauben, daß sich während unseres Nichtsehens der Kern meines Wissens sich vermehret, es sollte wohl so seyn, aber es ist es nicht und ich werde immer vor Ihnen und jedem guten Menschen als Schüler stehen. Ich weiß unglaublich wenig, und würde das Wwenige gern Wissen gern mit etwas mehr Können vertauschen. Sie können recht viel, lieber Emanuel, Sie können Menschen glücklich machen.

|3| Millionen Grüße an Richters ich würde selbst an meine liebe, theure Caroline, geschrieben haben, aber ein klein wenig Kopfweh und ein unerläßlicher Krankenbesuch bey einer in diesem Augenblik ganz verlassenen Nachbarin , hat schon diesen Brief zum Kind der Eile und gewiß recht verworrenen Produkte gemacht, zu einem zweiten habe ich heute weder Muth noch Zeit.

Meine Pflegebefohlnen worunter ich Schwendlern und die Kinder rechne empfehle ich Ihrer Liebe

Schenken Sie mir immer Ihr freundschaftliches Andenken und bleiben Sie so wohl und heiter als es wünscht

Antonie

N. S. O, theilen Sie eine große Freude mit mir, lieber Emanuel! Julie Mihes meine Freundin in Breslau, von der ich Ihnen wohl gewiß in Baireuth sprach, hat mich mit einem herrlichen Gemählde beschenkt, könnte ich es Ihnen könnte ich es unsern Richters zeigen! es ist ganz vorzüglich gelungen und stellt eine Mater dolorosa vor. Das Gemählde zeigt daß Julie so weit in der Kunst fortgerückt, daß sie ihrem schönen Zweck, Eltern und Schwester n ein sorgenfreyes Leben durch sich zu bereiten nicht mehr verfehlen kann. Julie schreibt mir wenn ich wollte so würde sie es gern für eine [...] Jemand mir Befreundetetes copieren. O dürfte ich wollen!

Zitierhinweis

Von Antonie von Mützschefahl an Emanuel. Meinigen, 14. September 1810, Freitag In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0295


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Textgrundlage

H: Slg. Apelt
1 Dbl., 3 S. Briefnummerierung vfrH.


Korrespondenz

Präsentat: 23ten Dec. beantw. (Antwort nicht überliefert.)