Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Johann Karl Gottlieb Spazier an Johannes Daniel Falk. Leipzig, 10. April 1803, Sonntag

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Leipz. 10 Apr. 1803

Hier, mein werther Freund, ein paar Abdrucke von dem lustigen Sendschreiben an M. Laßen Sie mich immer den Magister eingeschoben haben ; er verabscheut diese Benennung u läßt sich gar Doktor heißen. Da ich mich nach der Anzahl der Briefe nicht habe erkundigen mögen , so habe ich so viel angenommen, als Grade im Zirkel; es schien mir pikanter. Die Zahl der Tage im Jahr wäre noch besser gewesen. Übrigens wars mir unmöglich an einen Menschen das Wort zu adressiren, der von neuem so auffallende Schändlichkeiten |2 gegen mich u die Zeitung verübt hat; sein letztes Heft wird Ihnen darüber Auskunft geben .

Der Traum v la Grange hat in Berlin viel u mancherley Sensazion gemacht. Im Ganzen hat man auf Kosten des Academicien gelacht, hat sich um das Blatt in allen Gesellschaften gerissen. Aber Sie kennen die rechtliche Sorte der Brandenburger, die Runkelrübisten; diese haben sich über den Frevel scandalisirt, die Akademie u endlich gar den König attakirt zu haben. Wenigstens hat mir der dicke Sander ein langes u Breites davon vorgesprochen u |3 mich zum Frieden u zur Vorsicht ermahnt. Aber im Grund geht ihm sein theurer Kotz. nur nahe, so wie sein schönes Blatt , welchem er selber mancherley vorschießt z. B. die alten verlognenen franz. Briefe . Man will sogar sagen, Kotz. habe das Kanonikat durch ihn erhalten. Unwahrscheinlich ist das eben nicht, da der nehmliche Fall mit Lafontaine ist, wie ich aus Sanders Mund selber weiß. Vielleicht hat ihm Sander auch seinen breiten Rücken zum Aufschritt über den Maulesel geliehen. Man kann das Alles nicht wissen.

Haben Sie schon die Scene gelesen: |4 Kotzebue im Schlafrock ! Man hat mich zwar nicht zum besten darin bedacht, auch ist das ganze Ding ziemlich plump u unwitzig: aber ich kanns Ihnen doch recht zum Lesen vorschlagen; [...] es wird [...] seine Töne wohl machen. Besser auf jeden Fall ist Herodes vor Bethlehem, das so eben erschienen ist.

In Berlin schlägt man schon mit Fäusten auf den Kotz. los; er hat sich den Beobachter an der Spree , die Feuerbrände , den Brennus u Gott weiß wen Alles noch auf den Hals gezogen . Alle Welt ist gegen ihn empört. Die dümmste Handlung, die er je hat begehen können, ist seine Zeitungsschreiberey. "Und weiß wie nahe mir mein Ende!"

Darf ich um baldige Besorgung beiliegender Briefe bitten?

Ihr

ganz ergebenster

Spazier

Zitierhinweis

Von Johann Karl Gottlieb Spazier an Johannes Daniel Falk. Leipzig, 10. April 1803, Sonntag In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0301


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Textgrundlage

H: GSA, 15/II,1D,13
1 Dbl. 8°, 4 S.