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L. 22 July 4.

Bravissimo! liebster Falk. Die Zeitungsberichte sind excellent. Vorerst habe ich nach Ihrem guten Ermessen den Beckerschen Brief mit Ihrem Anhang abdrucken laßen, u in nächster Woche sollen jene allerliebst witzigen Sachen folgen.

Ich muß Ihnen sagen, daß drey Tage nach Übersendung meiner Antwort an Becker , mit ihm noch zwey Herren, (Cordemann, den Namen des dritten habe ich überhört) mir persönlich aufgewartet haben. Die Leute waren übrigens ungemein artig, u ich nahm sie, wie die Ganze Sache heiter. Als Deputirte brachten sie mir die von 13 Schauspielern unterzeichnete Erklärung , |2 wovon ich Ihnen die Kopie beilege. Ich beschied sie dahin, daß ich diese Erklärung dem Einsender erst zuschicken wolle, womit sie zufrieden waren. Sie ist aber nun überflüßig. Aber was werden sie hinterher sagen!

Ich bin fest bey der Anonymität geblieben . Sie munkelten unterdeß davon, daß Sie nicht denken könnten, daß F. der Einsender wäre. Die, welche das Pereat ausgebracht, wären bereit sich zu nennen: Aber es sey unwahr (dabey blieben sie) daß es alle gewesen wären; auch hätte Niemand von ihnen das Verbot bey der Direktion bewirkt. Die Patrons haben gut reden.

|3 Sie werden von meinen Proceßen mit Schütz u Ersch wissen, die ich seit Ende vor. Jahres gehabt habe . Trotz aller meiner Vertheidigung des Inserats, trotz aller Dokumente daß Schütz kränklich gewesen u oft seine Vorlesung ausgesetzt, trotz der 4 herzoglichen Berufungsschreiben an Eichstädt , worin Schützens Kranklichkeit, ja in dem Meiningschen sogar seine Vernachläßigung d Amts zum Grund angegeben wird, hat diese Sache für mich doch die schändlichste Wendung genommen. Ich bin vorgestern von dem hiesigen Schöppenschaft condemnirt, gerichtlich Abbitte zu thun, öffentlich zu widerrufen , 20 rth. Strafe zu zahlen u die Unkosten (von 15 rth. 16) zu tragen. Schändlich! |4 himmelschreiend ungerecht! Ich will nicht appelliren, laße aber nun den ganzen Prozeß drucken . Der Bürgermeister Einert ist mein persönlicher Feind, er hat, der höchsten Wahrscheinlichkeit nach, das Urtheil abgefaßt: man spricht sogar darüber. Ich kann das nicht beweisen u will keine Weitläuftigkeiten mehr haben. Also unterwerfe ich mich. Schütz wird im höchsten Grad lächerlich werden, da ich mir in meiner Defension alle Mühe gegeben habe, mich über den Ganzen Bettel lustig zu machen. Aber gern möchte ich, daß Allerhand indirekt geschähe. Dazu wäre nun nichts besser, als Satyre. Helfen Sie mir mit Ihrem köstlichen Satyr, lieber Falk. Ersinnen Sie Schwänke, Epigramme u dergleichen [...]

Zitierhinweis

Von Johann Karl Gottlieb Spazier an Johannes Daniel Falk. Leipzig, 22. Juli 1804, Sonntag In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0311


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Textgrundlage

H: GSA, 15/II,1D,13
1 Dbl. 8°, 4 S. Schluss fehlt.