Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Caroline Richter an Odilie Richter. Bayreuth, 11. Mai 1822, Sonnabend

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Sonnabends den 9 ten
Mai 1822.

Beste liebste Odilie

Heute bekam ich Deinen Brief , der eine süße Belohnung für vieles häusliche Arbeiten wie Wäsche, Maurer Aufsicht e.t.c. war, und wobei ich mich recht schön niedersetzte und ausruhte als ihn der Briefträger heute früh um 9 Uhr brachte, alles der Emma vorlesend. Ich antworte Dir gleich, weil Schwabaches morgen früh nach Bamberg fährt und meinen Brief dort auf die Post geben kann. Hier ist des Vaters erster Brief . Du siehst daraus wie gut es ihm gefällt, nun bin ich begierig auf den Zweiten , den ich Dir auch schicken werde, wie freue ich mich daß es ihm bei Minna so gefällt. Wenn du dem Vater schreibst schicke es nur an mich, ich besorge es gewis.

|2 Fräulein Ritter soll dir das Camisol mitbringen. Dein Entbehren desselben thut mir leid, es that mir aber, als die Grosmutter hier war sehr gute Dienste.

Emma freute sich sehr über Deinen Brief und läßt Dir tausendmal danken, aber damit Du geliebtes Kind Dich mit dem Schreiben nicht so sehr abquälst und es Dir zu einer allzu sauren Pflicht machst so schicke nur die Briefe die Du noch an Fanny und Helene zu schicken hast, offen dann siegle ich sie zu, und lese mir dann selbst Dein Wohlergehen heraus. Wenn ich nur überhaupt von Dir erfahre so verlange ich jedes mal keine besonders für mich bestimmte Briefe. Du liebe beste Seele must sonst nichts thun, als schreiben.

Herr Heyne hat neulich an Luise Welden geschrieben, mich grüßen, und mir sagen lassen, daß Du sehr wohl, und vergnügt wärest, und er von Deiner Heilung das Beste hoffte. Wie freut es mich daß er eine Reise machen will; von Frau von Mann habe ich wieder einen sehr |3 guten Brief bekommen, worin sie sagt daß ihr Mann den Eindruck des ersten Briefes bei dem guten Herrn Heyne wieder gut gemacht habe, durch einen zweiten , besseren. Daß Du ihn beschenkt hast, freut mich sehr. Auch daß Du für Auguste eine Garnirung nähst. Der Kragen ist Nebensache, aber wenn Du ja, daran kömmst, so darfst Du nur die Hauptblume und großen Blätter unterlegen, nicht alles. Nähe mir nicht zu viel. Dein Vorlesen freut mich sehr – Miete Dir ja ein Klavier – Schreibe mir wie viel Du jetzt ausgegeben hast denn ich werde Dir wohl bald etwas schicken müssen. Das eine Häubchen habe ich in Deinem Namen an Minna geschickt. Gestern war Clara Ranzow mit Weldens bei Emma. Es kam so, sie wollte diese besuchen, welche bei Emma waren |4 und kam dann her. Ich war die Woche schon 2 mal Abends bei Weldens wo vorgelesen wurde, und Emma 1 mal bei der Musik. Allein am liebsten bin ich mit Fr. v. W. allein. Ich bin nicht traurig mein Odilichen, ich bin auch 2 mal bei der Kammerherrin gewesen. Aber ich habe viel Sorge bis alles wieder in Ordnung ist. Des Vaters Stube ist nun auch gemalt. Wieder grün. Wenn wir uns nur zu Pfingsten sehen könnten! Doch hoff‘ ich Du wirst vergnügt sein. Schadet es denn nichts wenn Du den kleinen Falk im Garten fährst? Schicke doch den ersten besten Pastellkopf zu uns. Lebe wohl, Küsse, Seegen, Liebe und Sehnsucht begleiten diese flüchtigen Zeilen, von Deiner

Treusten Mutter
Carolin

Unzählige Grüße von allen Seiten auch von der Bach, welche ausgezogen sind und Clara Ranzow .

Zitierhinweis

Von Caroline Richter an Odilie Richter. Bayreuth, 11. Mai 1822, Sonnabend In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0338


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Textgrundlage

H: BJK, Berlin A
1 Dbl. 8°, 4 S.


Korrespondenz

Zur Datierung: Caroline Richter hat sich hier im Datum geirrt, nicht der 9. Mai fiel auf einen Sonnabend, sondern der 11. Mai 1822.