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Meine liebe Caroline!

ich habe Deine beyden lieben Briefe durch Herrn Geheimen Rath Pfeiffer vom 18. August , u mit der Post vom 5. 8.ber vor mir. Gleich nach Empfang des ersteren besuchte mich auch Herr Uhden , u hat mir viel Gutes von dir u Deinem Hause gesagt. Für die Empfehlung eines Reisenden Herrn Maier weiß ich nichts zu sagen, als daß er nach der Bekanntschaft mit Deinem Mann lüstern war; u daß ich ihn nur 1/4 Stunde an 3tem Orte traf, wo er seinen Wunsch äußerte. ich meyne aber auch nur ihn paesentirt, nicht empfohlen zu haben. Letzteres überließ ich ihm.

Daß Dein Mann den Vorschlag wegen Acquisition des Richterschen Capitals der Minna nicht angenommen hat, dagegen kann man nichts sagen. ich habe den Richter zwar darauff diß Capital kündigen müßen; allein er hat sich zur Zahlung erst nach Ablauf des Indults im Jahre 1811. verstanden, u wenn der Indult wie zu vermuthen noch verlängert wird, so wird er auch darauff fußen. Sollten übrigens einmal |2 die Häuser wieder im Preise steigen, so muß man, wo nicht kündigen, doch auf höhere Zinsen bestehen. Denn 4. Prozent ist jetzt in der That zu wenig.

Du meldest mir nicht, daß Du Fräulein v. Altenstein gesprochen hast. Es war mir zu sensible, Ihre Abreise hier durch Abschied zu bemerken, daß ich sie nicht vorher gesprochen habe. Es ist ein vortrefliches Mädchen.

Herr Brokhauss hat förmlich an mich geschrieben , u unter sehr edlen Äußerungen meine Einwilligung für Minna verlangt. ich habe sie ihm auch unbedenklich gegeben, denke wie Du über die Sache, u habe seit langer Zeit wieder von beyden nichts gehört; vermuthe aber, daß sie bald nach Berlin kommen werden. ich wünsche, daß sie vorher getrauet seyn mögen.

Julius u Minona , ersterer seit 3. Tagen Groß Quartaner im grauen Closter, letztere in der Gehsenschen Pension machen mir beyde Freude. Besonders ist ersterer auf dem Wege, ein ausgezeichnet schätzbarer Mensch zu werden.

Die Briefe an Herrn Langermann u Frau v. Bassewitz sind besorgt.

Lebe wohl, grüße Deinen Mann, u küße Deine Kinder.

Dein treuer Vater
Mayer

Die Mutter hat Deinen Brief mit Vergnügen gelesen, u grüßt hertzlich. –

|3 Des Kaufmann Richters Tochter hat seit einigen Wochen einen Husaren Officier geheyrathet, der zugleich die Dienste eines Regiments Quartier Meisters versiehet, u der ein solider Mann zu seyn scheint.

Des Assessor Beseke Frau hat einen kleinen Jungen, der Leopold heißen wird. ich glaubte an eine Gevatterschaft, allein es scheint nicht die Rede davon zu seyn. Ein Mädchen von zwey Jahren, die Beseke schon hat, ist ein allerliebstes Kind, mit höchst geistigen Auge.

Die jüngste Le Coq heyrathet den Justitz Commiss. Balan .

Zitierhinweis

Von Johann Siegfried Wilhelm Mayer an Caroline Richter. Berlin, nach dem 5. Oktober 1810 In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0436

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Textgrundlage

H: BJK, Berlinb A
1 Dbl. 4°, 2 ½ S.