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Korrespondenz

Von Elisa von der Recke an Caroline Richter. Dresden, 20. November 1825, Sonntag

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Dresden den 20sten Nov. 1825

Tief – tief fühle ich Ihren Verlust , und den unsrigen, edle Frau! – Ach! ich ahnete ihn schon da, als ich den theuren Seligen zum letzen mahl an Ihrer Seite sah! und dennoch gehören die zwey Stunden seiner seelenvollen Unterhaltung, zu den schönsten meines Leben! Denn jedes Worth, welches der Erhabene da sprach, zeugte von einen Geiste, der die Schlacken dieser Erde schon von sich geworfen hatte! – O! welche seligen Erinnerungen, muß Ihre schöne, zart und tief fühlende Seele aus dem Umgange unsers geliebten Heimgegangenen, in sich aufgenommen haben! – Diese nur können Ihre Tröster, Liebe Theure! werden.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie edle Freundin, mir sagen könnten, daß der geliebte Seelige, noch den Brief meiner Nichte Hohenzollern erhalten habe ; wann nicht, so ist dies mir eine Beruhigung, daß Sie, Theure! aus dem Briefe meiner Nichte, ihren Wunsch ersehn werden, des theuren Seeligen |2 Ansuchen ., möglichst zu befödern. Für Sie, lase ich hier auf die andere Seite meines Briefes, das abschreiben, was meine Nichte mir über diesen Gegenstand schrieb . Mit heutiger Post mache ich meiner Nichte unsern Verlust bekannt; und schreibe ihr, daß – da unser Jean Paul, nun über alle Leiden und Freuden dieser Erde erhaben sey, Metternich um so mehr, den Dank des teutschen Publickums verdienen würde, wenn er unsers Jean Pauls Wittwe und Waisen, durch Erfüllung der Bitte, des Theuren, der zum neuen Leben hinüber geschlummert ist, den Beweis geben würde, daß auch er vom Verdienste unsers Seligen durch drungen sey.

Ich adresiere diesenden Brief an meine Nichte nach Holstein; und haben Sie Theure, der Hohenzollern noch nicht umsern allerseitigen Verlust bekannt gemacht, so schreiben Sie ihr diesen; und bitten sSie meine Nichte, daß sie sich nun, sey bey Fürst Metternich, für Jean Pauls Wittwe und Waisen verwenden möge. Diesen Ihren Brief adressieren Sie, – poste restante, [...]nach Wien. – Ich werde meiner Nichte schreiben, – daß, fals sie noch nicht durch Sie die Nachricht vom Heimgange unsers Freundes erhalten habe, sie in Wien, Ihren Brief vorfinden würde.

|3 Verzeyhen Sie, edle Frau, meiner Theilname die Frage: – haben Sie dem Könige von Baiern Ihren Verlust, mit der Bitte bekannt gemacht, daß seine Huld Ihnen grosmüthig die Pension Ihres verstorbenen Gatten zusichern möge ? Freilich hat der edle König Ludwig so viele Schulden seines gutmüthigen, schändlich mißbrauchten Königlichen Vaters vorgefunden, daß der jetzige König sich in das schmerzhafte Verhältniß versetzt sieht Pensionen einzuziehn; doch glaube ich – daß – fals Sie noch nicht diese Bitte an den König gewagt haben, Sie keinen Augenblick versäumen dürfen, ihm diese Bitte, bey Bekanntmachung des Todes Ihres Gatten, an das Herz zu legen.

Freund Tiedge ist tief von unserm Verlust durch drungen, doch ist es ihm eine wehmüthige Beruhigung, daß der Theure, – nun Seelige! den Brief erhalten hatte, den Tiedge schrieb, weil ich da sehr krank war. Erst seit 4 Tagen ist mein körperlicher Zustand minder leident.

Gott erfülle meine Wünsche für Sie, dann wird es Ihnen, liebe Theure, an keinem wahren Lebensglücke fehlen. Mit der innigsten Hochachtung, Ihre Sie treu liebende

Elisa von der Recke
Zitierhinweis

Von Elisa von der Recke an Caroline Richter. Dresden, 20. November 1825, Sonntag. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB0448


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Textgrundlage

H: BJK, Berlin A
1 Dbl. 4°, 3 S. Auf S. 4 Abschrift eines Briefes von Pauline von Hohenzollern an Elisa von der Recke vom 11. November 1825 (4. Abt., Bd. VIII, Nr. 22, Kontextbrief) , in dem die Fürstin mitteilt, sich bei Metternich für die Bewilligung eines Privilegiums gegen den Nachdruck für die Ausgabe seiner Werke in 60 Bänden einsetzen zu wollen.