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Meine liebe Caroline!

Deinen lieben Brief vom 12. August. c. habe ich mit den für mich zum Geburtstags Geschenk , von Dir u Deinen Töchtern gemachten Hand Arbeiten, mit Vergnügen erhalten; während Du den schon früher an Dich gesandten Brief , den Erfolg meiner Bade Reise betreffend, erhalten haben wirst. Dir u Deinen Töchtern danke ich nun für Euer Andenken an mich, und melde nur, daß ich wegen meiner noch immer anhaltenden, u durch das hiesige Steinpflaster gewißer maaßen unterhaltenen, Lähmung, nun hier diejenigen Stärkungs Bäder brauche, die ich in Landek nicht haben konnte, und anderwärts erst nicht aufsuchen wollte. ich hoffe indeßen von den hiesigen Bädern, die von Herrn Hufeland u Heim verordnet sind, gute Erfolge, und muß ihn noch vor Winter wünschen, weil sonst meine existentz wenigstens sehr kostbar seyn wird. Denn schon jetzt kann ich monathlich 10 rth auf den täglichen Bedarf unserer sogenannten Droschken rechnen, u im Winter werde ich mit dem doppelten Aufwande nicht reichen, der Unan- |2 nehmlichkeit einer alsdann gantz wegfallenden Fuß Promenade nicht zu gedenken. Indeßen bin ich durch erhöhetes Gehalt glücklicher weise in den Stand gesezt, alle diese Kosten zu bestreiten, u denke deßhalb sehr oft an Popes Worte:

Gott gibt Sonnen Schein, wenn das Lamm geschoren wird.

Möge doch der Himmel etwas ähnliches für Minna gegen den Winter thun, da sie ihre im 8ber erst fällig werdende Wittwen Pension schon jetzt zum Voraus verzehrt hat. Es ist daher sehr gut, daß Du auch Deiner Seits auf die Verbeßerung ihrer Lage bedacht gewesen bist.

Meine größere Sorge betrift die Nothwendigkeit, worinn ich mich befinde, meiner Geistes Thätigkeit Zügel anzulegen, um nicht durch Überspannung mit Arbeit, mein früheres Übel von neuem herbey zu ziehen. Hiebey kann ich ich mir bloß für den mechanischen Theil meiner Geschäfte Hülfen für Geld verschaffen. Damit ists aber nicht abgemacht, und auf Pension kann u will ich mich doch nicht setzen laßen, um der Minna u ihren Kindern nicht gantz meinen Beystand entziehen zu dürfen.

Es ist mir daher schon das sehr tröstlich, daß ich Dich u Deine Kinder durch ihres Deines Mannes Fleiß, und das interesse des Publicums für ihn, u seine |3 Schriften, für die Zukunft gedeckt annehmen kann; und wünsche Deinem Mann eine recht dauerhafte Gesundheit.

Deine Emma , der Secretair perpetuel ihres Bruders, u Deine Ottilie bitte ich recht hertzlich zu grüßen; so wie auch Deinen Sohn

Dein treuer Vater
Mayer

Berlin
d. 4. 7.ber 17.

Vielen Dank liebste Caroline, für die Seckendorfschen Lieder, es sind dieselben die ich mir wünschte und die mir schon in früher Jugend Freude machten. Wenn ich doch auch so glucklich wäre Ihnen Freude bereiten zu können, aber freilich müßten Sie so großmüthig sein mir die Gelegenheit dazu zu verschaffen. Sie müßten mir geradezu, einen Ihrer oder Ihrer Kinder Wünsche offenbahren, denn in der traurigen Entfernung und bei so weniger persönlicher Kenntniß, wie will |4 man sich da errathen.

Wir haben in Landeck die Bekanntschaft einer Frau von Foerst, eine große Verehrerinn Ihres Mannes und von Ihnen, gemacht; sie war dieserhalb auch sehr freundlich und liebreich zu uns; und wir haben sie ihrer Natürlichkeit und Gutmüthigkeit wegen recht lieb gewonnen.

Unsere Reise war sehr angenehm und würde vollkommen glücklich und gelungen sein, wenn der Hauptgrund das beßere Gehen Ihres Vaters, dadurch erreicht worden wäre; bei unserer Ankunft erfuhren wir gleich das Unglück der armen Merzdorf, die sich, durch einen Fall in ihrer Stube den Hüftknochen gebrochen hat. jezt fängt sie wieder an mühsam nur wenige Schritte zu gehen. Auch der Tod der G. R. Hainchelin , den ich erst hier erfuhr, hat mir sehr wehe gethan; gewiß auch Ihnen, wir verliehren Beide eine zärtliche Freundinn! Bleiben Sie die Meinige. Adieu.

Zitierhinweis

Von Johann Siegfried Wilhelm und Henriette Mayer an Caroline Richter. Berlin, 4. September 1817, Donnerstag In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0454


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Textgrundlage

H: BJK, Berlin A
1 Dbl. 8°, 2 ¼ S. von Johann Siegfried Wilhelm Mayer, 1 ¾ S. von Henriette Mayer.