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Berlin d. 14. Febr 1806

Meine liebe Caroline!

Zuerst den Dank für das Geschenk Deines Mannes. ich bin mit dem Lesen der Levana beschäftigt, als gemeinschaftliche Lecture mit meiner Frau, und wir haben uns an vielen Stellen zur höchsten Schätzung des Verfaßers geeinigt, ohne das interesse des gantzen zu verkennen, was nur durch wiederholte Lecture zum Ansprechen gebracht werden kann. Wenn ich alles gelesen habe, werde ich bey eintretender Muße, Deinem Mann selbst danken.

Es freut mich übrigens zu finden, daß er mein Schweigen über M. Angelegenheiten nicht übel genommen hat.

ich halte Wort Herrn T. nicht zu antworten, und habe selbst seinen letzten Brief unerbrochen weggelegt . –

Aber warum bleibt mir der Antrag eines Mannes, der sogar der M. die Hand bietet, selbst nach meiner Bitte verborgen? – Schreib wenigstens an Minna darüber, da die Sache für sie und ihre Kinder so wichtig ist. Denn Dein Mann würde des Antrags gegen mich nicht erwähnt haben, wenn er gar keine Attention verdiente.

Daß Herr Mahlmann wieder heyrathet , wirst Du wohl von ihm erfahren haben. Er hat es auch mir gemeldet. ich billige seinen Entschluß, aber er hat traurige Gefühle in mir erneuert.

|2  Der Rücktritt vom Sanner Guths Kauf bringt mich zwar aus der Traufe, aber nicht aus den Regen; u es scheint als wäre ein böser Dämon im Spiele gewesen, als ich von den Sanner Angelegenheiten die erste Notitz nahm. Hätte ich doch meine Überlegungen im Glauben gefangen genommen. In beyden Fällen verlor ich; nur beym Glauben hätte ich weniger, und nicht den Genuß von einer Secunde meines Lebens nehmlich, verloren. – Seltsam, wenn am Ende Sanne noch ein Winkel bliebe, wo meine Familie sich hinflüchten könnte, wenn die Greuel des Krieges sie zwängen, ihre jetzigen Heerde zu verlaßen. Und wer sehnt dafür? und würde nicht froh seyn, noch irgendwo sich wenigstens seine nothdürftigste Nahrung selbst pflanzen zu können?

Den mir zurükgeschickten Brief lege ich wieder bey; u weiß ich nicht, wie ich zu dem damaligen Irrthum gekommen bin. Irrthum aber ists, u in dem beykommenden Entwurf der Quittung, die ich mir erbitte, ist er nun vermieden. Halte ja Deine Papiere in Ordnung.

Wenn Deinem Mann an der Schuld des Herrn L. sehr liegt , so wird er gerichtlich gegen ihn agiren müßen. Denn in Güte ist wohl nichts von ihm zu erwarten. ich fürchte aber, daß an ihm noch die Prozeß Kosten verloren gehen; wenn er sich auch mit der HandArbeit seiner Zeitung auf der Hauß Voigtey sehr bequem selbst beköstigen kann. Fände ich ihn am dritten Ort würde ich ihn mündlich mahnen. Ihn aufsuchen, u in seinem Hause sprechen würde mich |3 anrüchtig machen. Vielleicht führt die Gelegenheit einen Angrifs Punkt bey; u ich werde gern davon Gebrauch machen.

Meine Frau dankt für Deinen lieben Brief. Wir küßen Dich und Deine Kinder, und grüßen Deinen Mann.

Dein treuer Vater
Mayer

|4 ich bescheinige hiermit, daß ich durch die von meinem Vater mir am 1.7.ten 1806. auf die hiesige Krieges Casse assignirten u erhobnen Gelder und durch die für mich zur Wittwen Casse geleisteten Zahlungen wegen meiner Zinsen von den beyden Richterschen Capitalien a resp. 1000 rth, u 100 rth Gold bis zum 1. July 1806 befriedigt bin. Bayreuth d.

Zitierhinweis

Von Johann Siegfried Wilhelm Mayer an Caroline Richter. Berlin, 14. Februar 1807, Sonnabend. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB0469


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Textgrundlage

H: BJK, Berlin A
1 Dbl. 8°, 2½ S. Anstreichungen vfrH.


Korrespondenz

A: Von Caroline Richter und Jean Paul an Johann Siegfried Wilhelm Mayer. Bayreuth, 5. März 1807, Donnerstag (4. Abt., Bd. V, Nr.36-k)