Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Max Richter an Caroline Richter. Nürnberg, 10. September 1819, Freitag

Darstellung und Funktionen des "Kritischen und kommentierten Textes" sind für Medium- und Large-Screen-Endgeräte optimiert. Auf Small-Screen-Devices (z.B. Smartphones) empfehlen wir auf den "Lesetext" umzuschalten.



|1
Nürnberg am
10 Sept. Abends.

Theuerste Mutter!

Gerade sitze ich im Wirthhaus zum rothen Rößlein und trinke mein Bier gemüthlich. Die Reise bis hieher ist bis auf einige Blasen am Fuß, die ich habe, sehr gut abgelaufen; obgleich der Weg ziemlich weit war. Jeder von uns hat bis jetzt 53 xr verzehrt. Von Streitberg bis Baiersdorf war der Weg so schlecht, daß wir bis Abends 8 Uhr giengen, bis wir in Baiersd. ankamen. Mein Bücksensack drückt mich ziemlich hart. Beständig dachte ich an Dich, gute Mutter, da Du so wahrhaft mütterlich für mich sorgtest.

Am 10ten Sept. (heute) überbrachte ich Herrn Benda den Brief von Osmund. der rieth mir, auf eine Retour-Chaise nach Augsburg zu warten, da 36 Poststunden hin sind. Schreibe mir nur etwas von dem guten u glücklichen Vater, der gewiß schon recht bald zurückkehrt und addressiere Deine Briefe an Herr Benda in |2 Augsburg an dem ich ein Einziehungsschreiben von Herrn Benda in Fürth mitbekommen habe. Vielleicht geht meine Reise auch nach Salzburg, da der Weg übe von München über Landshut so trocken u unbedeutend sein soll. In Fürth genoß ich viel Vergnügen, da ich ein Instrument hörte welches in seiner Art einzig ist und vielleicht schöner als die himmlischen Töne oder Chöre des Herrn Koch ist. Es heißt Aeoloivum und ist eine neue Erfindung. Schreibe ja sehr bald, denn auf der Reise ist so Alles fremd.

Grüße Emma (wenn sie hie ist) und Odilie, vor allen aber schreibe von dem, was ich in der Eile hier in einem Wirthhause schreibe, nur Etwas schreibenswerth ist. Vielleicht steige |3 ich am Sonntag früh um 8 Uhr in d. Postwagen u bin Montags um 10 Uhr in Augsburg.

Leb wohl u gedenke mannigmal Deines immer an Dich sich erinnernden

Max Richter.

Gute Nacht! muß ich zu mir sagen, da ich sehrmüd bin. Künftig gewiß mehr. Ich werde sehr oft schreiben.

Zitierhinweis

Von Max Richter an Caroline Richter. Nürnberg, 10. September 1819, Freitag In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0512

XML/TEI-Download

Textgrundlage

H: BJK, Berlin A
1 Dbl. 8°, 2½ S. Auf S. 4 Adr.: Frau Legazionräthin | Richter | Wohlgeboren | in | Baireuth


Korrespondenz

A: Von Caroline Richter an Max Richter. Bayreuth, 13. September 1819