Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Siegfried August Mahlmann an Johannes Daniel Falk. Leipzig, 12. April 1805, Freitag

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Leipzig d. 12.ten Apr. 1805

Herzlichen Dank mein liebster Falk für die Proben aus den Johannes von der Ostsee. Da ich den Johannes so lieb habe, so können Sie auch denken, daß mir die Kinder seines Geistes herzlich lieb sind. Gleich nach den Feiertagen sollen sie abgedruckt werden . Die Ankündigung Ihres Almanachs habe ich schon in der Zeitung abdrucken laßen , doch in der dritten Person, weil die erste ins Intelligenzblatt gehört. – Ich war einige Wochen in Dresden um andre Gesichter zu sehn und eine andre Luft zu athmen. Die Reise hat auf meine Gesundheit wohlthätig gewirkt, auf meine Seele aber? – Freund es giebt nur einen Lethestrom und der fließt hinter diesem Leben! – – Minna ist wohl, sie hat von Voß für den Titel der Zeitung, denn auf mehr konnte sie nicht Anspruch machen, 1000 rth zugesichert bekommen. Von mir bekomt sie jährlich, so lange ich die Redaction führe, eine Pension. Die Geschichte hat mir Mühe u Verdruß gemacht und am Ende wär fast Alles schlecht gegangen. Der Kapellmeister Reichardt bot sich Voß zum Redacteur an. Seit seiner Briefe aus Paris, glaubt dieser Mann, er sey die elegante Welt u die elegante Welt glaubt daßelbe. Kurz, es war |2 nahe daran, daß er die Zeitung, vielleicht unter verändertem Titel übernahm u die arme Minna war um Alles. Nur der redliche Sinn Voßens und meine schnelle Entschließung hintertrieben es. Was hat der Spazier den Reichardt bereichert und nun – ein solches Benehmen!

Laßen Sie mich nur machen; Ich gebe Ihnen mein Wort, die Zeitung greift beßer ein, wenn das wüthende Beißen aufhört, und dafür mit Witz und Scharfsinn gefochten wird. Was ist Merkel, wenn sich kein Mensch mehr mit ihm zankt? – Die Ruhe die jetzt obwaltet soll nicht zu lange dauern. Ich muß nur erst meine Leute kennen lernen, ich traf viel [...] Gut unter ihnen, die müßen nun mit Manier beseitigt werden. Schon habe ich das Satisfaction, daß sich der Absatz seit zwey Monaten beträchtlich vermehrt hat. Ihre Streifzüge sind vortreflich. Die Verse von Göthe "beym edlen Herrn von Wanzenau" etc. finde ich aber nicht besonders. Sie sind ganz nach der Norm des frommen Tischgebets "Wir danken Gott für seine Gaben" etc. gemacht. Solche Fabrik ist eben nicht schwer. Warum |3 will denn Göthe die Bearbeitung des Götz nicht drucken laßen?

Leben Sie wohl liebster Falk. Schreiben Sie mir doch auch Neuigkeiten aus Weimar. Sie brauchen ja nur ein Zettelchen zu nehmen und solche Dinge darauf zu notiren und es, wenn Sie mahl Zeit zu einem Briefe haben, gerade zugeklebt an mich spediren.
Herzliche Grüße an die liebe stille sittsame Hausfrau.

Ihr

Mahlmann

Zitierhinweis

Von Siegfried August Mahlmann an Johannes Daniel Falk. Leipzig, 12. April 1805, Freitag In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0555


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Textgrundlage

H: GSA, 15/II,1C,4
2 Bl. 4°, 2 ½ S. S. 4 Adresse: Herrn Hofrath Falk | Wohlgeboren | in | Weimar. Postvermerk: fr.