Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Caroline Richter an Odilie Richter. Bayreuth, 14. April 1822, Sonntag

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Baireuth den 14ten
Aprill 22

Geliebte Odilie

Dein lieber Brief vom Mitwoch hat uns die größeste Freude gemacht, und heute am Sonntag haben wir die Schnallen mit Deinen anderen Zeilen erhalten. Die Gewisheit daß Du mit Deiner Lage zufrieden bist, macht mich ganz glücklich, ob Du gleich, noch nicht die härtesten Proben erfahren hast. Aber ich bitte Dich ja immer recht offen gegen mich zu sein, denn eine Täuschung aus Liebe zu mir wäre nicht die Liebe und das Vertrauen, was ich von einem Kinde wünsche. Ich will mich mit Dir freuen und mit Dir leiden, wie es kommt, und was in meinen Kräften ist, zu Deiner Erleichterung thun. Den Vater ist es ganz zufrieden daß Du mit Bleistift schreibst, und ich sehe aus dieser Vorsorge Heyne’s das er sich mehr um Dich bekümmert. Daß Du Dich auf die Maschine freust, ist mir lieb – gebe mir Gott daß sie meinem armem Kind nicht zu sehr drückt dafür bin ich unaussprechlich bange, und |2 daß sie unter allen Maschinen die bequemste sein möge. Daß Du warmes Bier trinkst, wundert mich sehr, da es hier Deine Antipathie war, aber es ist mir schon recht, da es ein nährendes und stärkendes Getränk ist, möchte es dir aus Luisens Tasse recht gut schmecken mein gutes Kind! Täglich denke ich beim Frühstück an Dich. Sonst gehen die Tage ganz leidlich dahin. Noch machte ich täglich an jedem Morgen Ankunftsbesuche, und wurde von der Reizenstein, Dobeneks, Ottos, Enzels , Donauer, mit Grüßen an die liebe Odilie überladen. Außerdem machte ich Chemischen für Emma, kaufte ihr einen Strohhut, und sie ganz in Stand zu setzen wenn etwas vorfällt, denn entweder soll sie der Vater mit nach Dresden nehmen, oder sie besucht Dich mein Odilchen oder sie kann nach Konradsreuth. Die Grosmutter kann alle Tage kommen, und ich will auch des wegen von Grund aus, Ordnung machen. |3 es ist noch unbestimmt wie lange sie hier bleibt, ich wollte der Vater reißte früher ab, um ganz ungenirt zu sein. Seit 3 Tagen ist hier eine Sommerhitze, und ich war gestern mit Fr. Stein, Helene , und Emma bei der Rollwenzel. Wie die nach Dir frug, kannst Du Dir denken.

Hast du mit deiner Stubenbewohnerin , oder vielleicht 4 Mädchen zusammen, da je nur ein Vorhang die 2 Zimmer trennt, noch kein Klavier gemiethet. Thue es doch, liebes Kind. Gaze , Pastellkästchen und Wolle, erhältst Du das Nächstemal, was arbeitest Du denn? Schreibe allemal Montags, Fräulein oder Freitags Fräulein Ritter sagt, das wäre die schnellste Post. Hast Du noch nichts von einer Reisegesellschaft nach der Schweitz gehört für die Grosmutter. Könnte sie nicht mit der Schweizer: familie die bei Heyne ist, zurückreisen? Erkundige Dich doch ja, ihnen wäre es auch vielleicht lieb. Am 22 oder 24ten Aprill könnte die Gr. Mutter in Würzburg sein. |4 Mit des Vaters Gesundheit geht es jetzt besser, da er viel Wasser zwischen dem neuen Wein trinkt, und sich oft den Hinterkopf mit kaltem Wasser wäscht. Wie danke ich Gott dafür.

Heute Abend wird Minna von Barnhelm gegeben im Anker, der Vater freut sich sehr.

Agnès Giech ist sehr krank. Morgen kömmt die Gräfinn.

Wieder ein herrliches junges Mädchen Sophie von Reizenstein aus Nemersdorf ist am Scharlachfieber gestorben. Auch die Kriegsräthin Rothköppel .

Grüße alle in Deinem Hause und schreibe bald wieder. Lebe wohl mein Leben. Innig drücke ich Dich an die Brust. Dank für die Schnallen.

Deine treuste Mutter
Caroline

Zitierhinweis

Von Caroline Richter an Odilie Richter. Bayreuth, 14. April 1822, Sonntag In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0640


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Textgrundlage

H: BJK, Berlin A
1 Dbl. 8°, 4 S.