Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Johann Siegfried Wilhelm Mayer an Caroline Richter. Berlin, 9. bis 12. Januar 1808, Sonnabend bis Dienstag

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Berlin d. 9. Jan. 1807

Meine liebe Caroline!

Ob ich wohl fürchte, daß Du krank bist, und daß diß allein der Grund ist, warum ich seit dem 7. 9 ber (diß ist das Datum Deines letzten Briefes an mich) von Dir keine Nachricht erhalte; so ist doch gerade dieser eintzige Erklärungs Grund, den mir Deine Denkart gegen mich, nur übrig läßt, zugleich ein Gedanke, der die Summe meiner Leyden aufs höchste treibt. ich bitte Dich also, und wenn Dein Mann diesen Brief statt Deiner erbrechen müßte, diesen, mir von Deinem Zustande; und gelegentlich auch von dem Empfange meines Bildes, u der durch Herrn v. Massenbach an Dich geschickten Bücher , Nachricht zu kommen zu laßen. –

Man will mich zwar hier mit dem unordentlichen Posten Lauf beruhigen; allein ein mehr als zwey monathliches Stillschweigen ist daraus nicht erklärbar. ich habe also ein Recht unruhig zu seyn, und von Dir Beruhigung zu fordern.

Dein


treuer Vater

Mayer

ich bin gesund. Nicht so ist es mit allen Deinen Freundinnen. Eine ist in die Gefilde der Ewigkeit übergegangen. |2 Hast Du durch Herrn v. Massenbach einen Brief von Nannette Gentz bekommen, so bewahre ihn wie eine heilige reliquie. Eine Krankheit wie die der guten Ernestine machte ihren Mann u ihre Freunde so wie ihren Artzt gleich für die Folgen besorgt. Furcht und Hofnung kämpften indeßen doch nahe an 14. Tage, bis die Natur unterlag. Du wirst sie bitter beweinen, u sie verdient es. Der Mann wird Dir selbst schreiben. Sie ist schon seit mehr als 14. Tagen begraben.

Meine Frau grüßt herztlich
.

d. 12. Januar

Als dieser Brief zum Absenden bereit lag, erhielt ich Deinen vom 29. X.ber , u wurde dadurch aus meiner Unruhe gerißen. ich freue mich, daß sie in Rücksicht auf meine Dich betreffende Besorgniße ungegründet war; und bemerk nur noch, daß das Dir geschickte Bild hier am 2ten X.ber abgesendet worden, so daß ich nur zur durch den unrichtigen Posten Lauf den Verwurf eines lange beobachteten Stillschweigens auf mich gezogen haben kann. |3

– Von Minna erhalte ich die Nachricht daß sich jetzt beyde, Herr Apel u Herr Wagner, bey ihr ohne weitere Eyfer u Scheelsucht einfinden , u ich habe also richtig calculirt, wenn ich die Herren auf diese vernunftmäßige Ausgleichung des interesse, welches sie beyde an Minna nehmen, hingewiesen habe. Worauf nur Herr Wagner warten mag? um sich Brod zu schaffen? Ubrigens bin ich zwar außer Stande jetzt der Minna ihre Pension zu geben, weil ich selbst von Schulden lebe. Allein ich habe dagegen, wenigstens auf 1/4 Jahr die Pension des Julius übernommen, den ich in Dessau laße, und für den ich jährlich 120 rth Courant-Gold zu bezahlen haben würde, wenn es die Umstände erlauben, so viel zu erübrigen.

Für die mir übersandten Pariser danke ich hertzlich und die Mutter wird Dir selbst schreiben.

Deine Bemerkungen über mein Bild sind sehr richtig; auch habe ich nichts dagegen, daß Du es ändern läßest, so weit es nehmlich verzeichnet |4 ist, e.g. die Nase. Alles übrige wird wohl bleiben müßen; und bin ich wohl selbst Schuld. Denn ich haße die steife Attitude beym Mahlen, u jedes Affectirte Air. ich suchte vielmehr das höchst ungenirte; und weil Mariane beym Mahlen gegenwärtig war, so gabs ein ewiges Gespräch, so daß mich Frisch öfters an mehr Haltung erinnerte. Daraus ist dann etwas Carricatur entstanden, u Frisch war zufrieden, daß mich jeder, der nur auf den total Ausdruck sahe, auf den ersten Blick erkannte. Ist mein Bild bey analytischer Genauigkeit dem Original nicht gleich, so thut mir es für diejenigen leyd, die im Original mehr zu finden wißen, als in der Copie. ich darf dazu nichts sagen.

Lebe wohl; küße Deine Kinder; u liebe

Deinen treuen Vater
Mayer

Herr v. Massenbach ist mir ein Räthsel.
Das ist eine Eseley.

Zitierhinweis

Von Johann Siegfried Wilhelm Mayer an Caroline Richter. Berlin, 9. bis 12. Januar 1808, Sonnabend bis Dienstag In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0659


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Textgrundlage

H: BJK, Berlin A
1 Dbl. 8°, 4 S.