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Korrespondenz

Von Emanuel an Caroline Goldschmidt. Bayreuth, 15. Mai 1804, Dienstag

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B. 15. Mai 4.

Gute Car.! Mein Brf. soll sich damit anfangen, daß ich etwas schreibe, das sich v. selbst verstünde.

In meinem letzten Brief sagt ich Ihnen, daß ich in meinem künftigen braunen Kabinet, wieder einen guten Platz zu meiner Niobe ausmachen werde.

Von dem Platz, das Ihr Bild haben wird, sagt' ich nichts, weil ich voraus setzte, daß S. es gewiß sind, es würde, üb. meinem Schreibpult, über Thieriots Bild, also jetzt mir selbst gegenüber, so wie es jetzt plazirt ist, wieder plazirt werden u weil ich, zweitens, vermuthete, Pik würde Ihnen sagen, daß u wo er Ihr Bild gesehen; ab. zu meiner Beruhigung mußt' ich Ihnen meinem Brf. diese Vorrede geben.

Doch bin ich noch nicht ganz ruhig, bis ich mich an die Ungenannte, die meinen Namen gebrauchte, gerächet haben werde.

Was sagen S. denn zu meinem Jüngling? Nicht wahr, Sie haben sich ihn doch anders gedacht.

Grüssen S. mir ihn, wenn S. ihn viell. sehen sollten u versprechen S. ihm eine baldige Antw. Seinen Auftrg hab' ich gleich, u er wirds lange wissen, mit gutem Erfolg besorgt.

Über das, was ich Ihnen, über das Taufen |2 gesagt habe , möcht' ich S. sprechen; denn das Schriftliche scheint Sie nicht befriediget zu haben.

Werden S. in diesem Jahr wied. n. Dresden gehen?

Ich werde heuer nicht viel reisen können.

Im Julii verlaß ich m. Logis.

Im Julii komt Th. aus Wien hierher.

Im August ziehen R...s hierher.

Im Mai komt Caroline aus Rudolstadt u ihre Tante p.

Im Juni geht m. Uhlf. n. Regensb.

Ob ich mit kann weiß ich nicht.

In einigen Monaten geht m. Bruder auf Reisen p auch nach Berl. worauf ich mich freue p.

Beschäftigung u Zerstreuung genug f. einen Sommer.

Was mir der Himmel noch unerwartt zu fügen wird – will ich auch erwarten.

Meine oft nicht ganz ruhige Seele braucht Zerstreuung.

Vergangnen Sonntag Mittw. brachte mein Bruder sein Weib.

(Schilderung derselben)

Bemerken S. nicht, wie gerne ich Sie heut |3 v. mir unterhalte? Aber ich will abbrechen u antworten.

Für Ihren. Hamb. Buchhändler will ich thun was ich kann, wenn er selbst an R. schreibt ppp

Die Nachrichten v. u üb. Euchel haben mich betrübt p.

Es wäre fürchterlich, wenn man alle Menschen auf geben wollte, weil man mit Einem nicht zufrieden ist u beinahe nicht besser, wenn man einen Menschen Einer Handlung wegen aufgeben wollte.

Daß ich alle Menschen mein nenne, das ist mein reiner Ernst, mein Himmel, mein Leben; ab. es muß mir dies auch seyn, denn die Meinigen betragen sich oft sehr fremd gegen mich u gegen sich.

Wenn ich einmal nicht mehr so das ganze Menschengeschlecht umfaße, dann hab' ich – nicht das Geschlecht die Schuld.

Grüße v. Uhlf. Otto, Brüder , Mutter. pp.
Schluß

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Zitierhinweis

Von Emanuel an Caroline Goldschmidt. Bayreuth, 15. Mai 1804, Dienstag. In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/umfeldbriefbrief.html?num=JP-UB0701


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Hk: Slg. Apelt.
1 Dbl. 8°, 2¾ S. Auf S. 4 eine Berliner Adresse: N. 11 Spandr Strasse.