Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Henriette von Ende an Caroline Richter. Dresden, 19. Juni 1821, Dienstag

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Dresden den 19.ten Junius
1821

Wenn die Freude über Ihren mir so lieben Brief , meine theure Freundin, nicht mehr Raum und Zeit ausgefüllt hätte, als das Schreiben eines Briefes bewiese, so müßte ich verlegen seyn, den Ihrigen so lange unbeantwortet gelaßen zu haben, so aber, habe ich Ihrem Herzen, welches das meinige kennt, keine Entschuldigungen zu machen, auch nicht einmal darüber, daß dieser Brief zwey Inlagen und zwey Bitten enthält; er enthält aber auch die Mittheilung einer mich schon längst ergötzenden Aussicht, nehmlich die, Sie Allerseits, so Gott will, im Laufe des künftigen Monats, bey meiner vorhabenden Reise über Heidelberg nach Schlangenbad, in Baireuth zu sehen; schon längst, sahe ich dieser Reise mit meinem Sohne, mit vielem Vergnügen, wenn Gott das Gelingen verleiht, entgegen und da kann ich wohl sagen, daß seitdem, kein Tag vergangen ist und vergeht an dem ich nicht schon im Voraus in Gedanken, in Baireuth bin |2 und mich in Ihrer Aller lieben Gesellschaft sehe und erfreue. Nun kommen meine Bitten, nehmlich die eine Inlage der Frau v. Lochner gefälligst zuzustellen und die andre, der Fräul. Schuckmann, der ich sie darum nicht gradezu adressiren konnte, weil sie die Todesnachricht einer ihr sehr lieben Person enthält, meiner Cousine der Ministerin von Globig, und ich durch die Gräfin Schönburg, welche mir sehr herzliche Empfehlungen an Sie, meine theure Freundin, aufgetragen hat, als sie mich bey ihrer Anwesenheit in Dresden besuchte, erfahren habe, daß sich die Fräul. Schuckmann übel befindet; da ich ihre Anhänglichkeit an meine verstorbene Cousine kannte, so hielt ich es für Pflicht, sie nicht dem Zufall auszusetzen, die Nachricht von diesen Todesfall in ihrem jetzigen leidenden Zustand ohne diejenige Schonung zu vernehmen, welche irgend eine ihrer Baireuther Bekannten, durch Ihre Wahl derselben, da Sie sie vielleicht nicht selbst sehen, mit der Uebergabe meines Briefes verbinden wird; nicht wahr bey Ihnen bedarf dieser Auftrag keiner Entschuldigung, so gut ich auch weiß, daß Sie einander nicht nahe sind?

Es freut mich recht, kürzlich durch die Zurückkunft der Herrn v. Budberg und v. Zedlitz Kunde von Ihrem lieben Hause bekommen zu haben; mein Sohn sprach beyde, und vernahm wie sie es zu schätzen wußten, den lieben Jean Paul gesehen zu haben, sie wiederholten mehrere seiner intereßanten Worte und sagten zu unsrer Freude, wie freundlich er uns re er gedachte, herzlicher Dank sey ihm dafür von uns gesagt! |3 Daß das überschickte Band, Ihnen Allen so gefiel, hat mich mit kindischer oder vielmehr kindlicher Freude erfüllt; solch ein Nehmen, wie viel giebt dies nicht! Von ihren lieben Max, habe ich mit Vergnügen Nachricht erfragt, bey den Sohn meines jüngsten Bruders, der bey Schwarz in Heidelberg war, nun aber nebst seinen Geschwistern hier ist, da mein Bruder zu meiner großen Freude, von Frankfurt abberufen wurde, um hier das Amt unsres seligen Vaters, der auch Ober Consist. Praesident war, anzunehmen ich kenne keine intereßantere Stelle im ganzen Lande als diese, indem ihr Haupt-Gebiet, Geist und Himmel ist. Die Herzogin von Curland war sehr krank an einem Schleimfieber in Löbigau, ist aber außer Gefahr und sollte nach Eger gehen.Die arme Gräfin Vitzthum, ist im diesen Augenblick wieder hier, um den Kampf weiter zu bestehen, der ihr Leben untergräbt ; selbst diejenigen, welche herzlos, ihr nützlich zu seyn sich entziehen, fanden es doch zu arg, daß ihr Mann sich für ihr mögliches Schuldenmachen auf seinen Namen, durch die Zeitungen s i o ch unverschämt verwahrte ; unauslöschlich bleibt in ihrem Herzen, der Dank und die Liebe welche Sie ihr einflösten, mit großer Rührung spricht sie oft diese Gesinnungen aus. Fr. v.d. Reck und Tiedge sind schon längst nach Löbigau abgereiset, vielleicht nun von da in die böhmischen Bäder; da Tiedge bey mir solch Band sah, wie Sie haben, und ihm Ihr allerseitiger Beyfall den sie ihn vergönnten, was ich ihm mit Freuden erzählte und den er theilte, so intereßierte und er mich frug wo es nur zu haben wäre, schenkte ich ihm zu einer Schleife für die |4 Frau v. d. Reck der die ganzen Beziehungen davon, gewiß was auch Tiedge voraussah, viel Freude gemacht haben werden. Könnte ich Ihnen doch einen Blick auf die herrliche Gegend die mich umgiebt, indem ich diesen Brief auf meinem Altan schreibe, unter einer schönen Linde, die ihn auf der Mittagsseite beschattet mit einsiegeln! wie gern möchte ich dies!Mein Sohn empfielt sich Ihnen, Ihrem lieben Mann und lieben Kindern, so wie auch ich auf's Herzlichste.Nun leben Sie wohl, recht wohl, meine theure Freundin, und erhalten Sie ja stets Ihre Liebe Ihrer innig ergebenen

HEnde.

Zitierhinweis

Von Henriette von Ende an Caroline Richter. Dresden, 19. Juni 1821, Dienstag In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0720


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Textgrundlage

H: BJK, Berlin A
1 Dbl. 8°, 3¼ S. S. 4 Adr.: An | die Frau Legations-Räthin | Richter geborne Mayer | zu | Baireuth | Frey. Poststempel: DRESDEN | 19. Jun. 21.