Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Caroline Richter an Max Richter. Bayreuth, 19. August 1821, Sonntag

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Baireuth den 19ten Aug.
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Geliebter Max!

Auf Deine vielen lieben Briefe hättest Du schon längst Antwort verdient, allein das Erwarten, erstlich von der treflichen Fr. v Ende Durchreise , der wir Manches, mitzugeben gedachten, dann des Vaters immer festgesetzte und immer verschobene Abreise, schoben unser Antworten, wozu doch das Herz sich so sehr gedrängt fühlte, von Woche zu Woche hinaus. Endlich heute sendet der liebe Vater Dir diesen inliegenden Wechsel voraus, weil trotz des Entschlußes in der nächsten Woche abzureisen – wieder Hindernisse des Wetters u. s. w. eintreten könnten. Nein auf solche Möglichkeiten darf meines Maxes Befriedigung nicht hinausgeschoben werden, denn aus Deiner Anzeige des schuldigen Studiengeldes sehe ich, daß Du schon längst fertig bist und gewis wieder in neue Schulden verstrickt. Nun ich hoffe daß der Vater sich klar von Allem unterrichten wird, was Du bedarfst |2 da Du meine Bitte nicht erfüllst genau den Zustand Deiner Casse anzugeben. Es ist mir unbegreiflich warum Du nicht nach meiner so vernünftigen Idee handelst da Du ja mit aller Deiner Zartheit und augenblicklichen Schonung des Vaters, Du dem hernach für Beide so schwer fallenden Labirinth von Verwicklungen, doch nicht entgehn kannst. Indessen sage ich jetzt nichts mehr darüber; und kann nur schmerzlich die Unruhe mitfühlen in die Du Dein Gemüth dadurch versetzt.

Ehe die liebe Frau v. Ende kam, die jetzt in Schlangenbad ist, und später nach Heidelberg kömmt – hatte ich Dir Einige gewis sehr nothwendige Sachen gekauft. Sie konnte sie aber nicht mitnehmen und der Vater muß sie Dir bringen.

Es ist Nanking zu Hosen und einem Morgen-Camisol, das Du Dir dort machen lassen must. 2 paar langen Unterhosen, eine Sommerweste, 3 weiße Halsbinden, 3 p. Socken. |3 Jetzt möchte ich Dir so gern einen Rock kaufen, da ich aber Deine Bedürfnisse und Wünsche nicht kenne, so fodre ich von Dir mir es sogleich mit der nächsten Post zu sagen. Ich wanke, zwischen einen neuen schwarzen Frack, da Dein guter blauer Dir gewiß jetzt zu kurz ist, oder einer dunkeblauen tuchnen Pikesche wie jetzt alle jungen Männer tragen, und das ein Mittelding zwischen Frack und Überrock ist. Eines von beiden wird gekauft nur sage mir was Dir das Liebste und Nöthigste ist. Ich will durchaus nicht, daß Du nicht anständig erscheinest. Ist Fr. v Ende in H. bist Du gewis alle Tage bei ihr, denn sie liebt Dich ausnehmend: Ach wie gut war sie wieder, wie hat sie uns mit den zartesten Gaben beschenkt. Der junge Ende ist nach London gegangen, und holt dann seine Mutter von H. ab. Auch ihn liebe ich sehr, er hat einen vortreflichen Charakter, aber wie sehr hängt sein Lebensglück von |4 der Wahl einer Gattin ab. Wie sehr wünschte ich ihm eine Frau, wie Weldens sein würden da er so gebildet und durch seine treffliche Mutter an die vollendetsten Frauen gewöhnt ist. Und wie sehr verdienen Weldens wieder die vorzüglichsten Männer! Indeß Gott lek lenkt die Herzen, und ich kann nur für die guten Menschen beten, daß sie auch glücklich werden mögen. – Frau von Ende nimmt gewis ein Exemplar von Deinem Freund Henne , denn sie und ihr Sohn nehmen so innigen Antheil an Deiner Verwendung. Den Kronthaler von der Fr. v. Reizenstein bringt Dir der Vater nebst dem Seinigen mit. Emanuel und seine Frau grüßen Dich sehr. Die Kinder werden herrlich. Otto ist noch in München , kommt aber wahrscheinlich zurück. Doch gewis mit Besoldung. Schreib einmal an Otto er wird sich sehr freuen sage ihm aber nichts von seinen Verhältnissen, da er so empfindlich ist.

Zitierhinweis

Von Caroline Richter an Max Richter. Bayreuth, 19. August 1821, Sonntag In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0793


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Textgrundlage

H: BJK, Berlin A
1 Dbl. 8°, 4 S.