Edition Umfeldbriefe Korrespondenz

Von Minna Spazier an Johannes Daniel Falk. Leipzig, 14. Februar 1809, Dienstag

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Leipzig 14 ten Februar 809

So eben erhalte ich Ihren Brief und eile Ihnen auf der Stelle zu antworten. Warum sollte ich Ihnen übrigens verbergen daß mich Ihr langes Stillschweigen sehr gekränkt hat? Die Freundlichkeiten welche Ihr heutiger Brief enthält will ich Ihnen indeß doch auf's Wort glauben, wenn Sie gleich meinen Glauben ein wenig scharf auf die Probe gestellt haben.

Ihr Anerbieten mir bey einer neuen Unternehmung behülflich zu seyn nehme ich mit Dank an. Ich habe das Glück gehabt für meinen Almanach einen neuen Verleger zu finden, das Kunst und Industrie Kommtoir in Amster[...] . Mein Taschenbuch wird schon zu 1810 unter dem Titel neue Urania , [...] erscheinen .

Daher wird es mir lieb seyn, wenn Sie Sachen die Sie für mich bestimmen , recht bald wenigstens vor der Ostermeße schicken |2 Haben Sie aber die Güte diese Sache ganz geheim zu halten. Am wenigsten sie St. Schütz anzuvertrauen. Er würde es für Prahlerei [...] ansehen – und es ist beßer durch die That zu reden als durch Worte.

Es verrieth übrigens wenig Klugheit und Kenntniß der Welt, wenn ich von irgend Eines Vermittlung in dieser Sache etwas erwartete . Meinem Herzen denke ich, wird aber die Meinung nicht zur Unehre gereichen daß Schütz einer Frau der weit weniger Hülfsmittel zu Gebote stehn als ihm selber, etwas aufopfern würde. Auch zürne ich ihm nicht, daß er es nicht that, was hätte er für Verbindlichkeit sich für eine Unbekannte zu intereßiren. Das hätte vielleicht nach der so sehr verschwiegenen Sentimentalität geschmeckt, die die neuste Litteratur [...] aus dem Wege treiben muß, um für ihre Spashaftigkeit, Raum zu gewinnen. |3 Ich bitte Sie sehr lieber Falk die neue Unternehmung, für die sich schon die besten Künstler, Hartman und Friedrich thätig beweisen , ganz als Geheimniß zu bewahren. Freuen Sie sich lieber dafür mit mir im Stillen daß ich nun statt Schaden Vortheil habe. Denn Brockhauß (der neue Verleger) ist ein sehr geistreicher und gebildeter Mann, der kein Geld spart, die Sache auch durch äußeren Schmuck in die Höhe zu heben. Die Kupfer werden wohl anders ausfallen als die Wilmanschen. Ich lege hier einen Brief an Friedrich Tiek bey, den ich in Weimar vermuthe, und ebenfalls in der Sache, Aufträge zu geben habe.

Thun Sie ja Alles, diesen Brief sorgfältig abgeben zu laßen. Wenn aber Friedrich Tiek, nicht in Weimar seyn sollte, mir [...] sogleich den Brief zurück zu schicken, mit Nachricht, wohin er zu ad- |4 dreßieren ist. – Dies ist der erste Gebrauch den ich von Ihrem Anerbieten mache mir bey der neuen Unternehmung behülflich zu seyn. Richten Sie es ja aus, wie ich Sie bitte! –

Ihre beigeschloßnen Briefe habe ich bestellt. Noch hatte ich nicht Zeit die anderen Beilagen zu lesen. Ich freue mich aber darauf, und werde Ihnen nächstens schreiben was Sie zu wißen wünschen.

Verzeihen Sie die Eilfertigkeit dieser Zeilen. Ich bin ungemein beschäftigt da ich, kaum erst mit Ablieferung des Wilmanschen Mskpts. zu Stande, aufs neue zu sorgen habe, die nicht geringe Bogenzahl des neuen Almanachs herbei zu schaffen. Da das Glück mir wackre und rüstige Freunde geschenkt hat, unter welche ich nun auch Sie lieber Falk wieder zähle, so geht es über Erwarten.

Grüßen Sie mir Ihre Frau herzlich. Ich drücke Ihre lieblichen Kinder in Gedanken an mein Herz!

Minna Spazier

Zitierhinweis

Von Minna Spazier an Johannes Daniel Falk. Leipzig, 14. Februar 1809, Dienstag In: Digitale Edition der Briefe aus Jean Pauls Umfeld, bearbeitet von Selma Jahnke und Michael Rölcke (2020–). In: Jean Paul - Sämtliche Briefe digital. Herausgegeben im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften von Markus Bernauer, Norbert Miller und Frederike Neuber (2018–). URL: http://jeanpaul-edition.de/brief.html?num=JP-UB0796


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Textgrundlage

H: GSA, 15/II,1D,14
1 Dbl. 8°, 4 S.